Top Menu
Cheopspyramide

Der menschliche Entwicklungsweg – abgebildet in sakralen Kunstwerken

Die wichtigsten, archetypischen Symbole sind allen Völkern gemeinsam. Woher kommt das? Die Erklärung, die die alten Traditionen geben und die auch von C. G. Jung in seiner Traumforschung bestätigt wird, lautet: Symbole sind die Sprache der Seele. Sie sind im kollektiven Unbewussten der Menschheit verankert. Die alten Traditionen sagen weiter, dass die Entsprechungen der Religionen auf ihren gemeinsamen Ursprung zurückzuführen sind. Bei der „Universalen Kunst“ geht es nun um das Erkennen jenes Wesenhaften. Für die traditionelle Weisheit hat die Botschaft der Kunstwerke ihre Wurzel in der himmlischen Welt und bringt den Duft der Götter zu den Menschen. Daher wurde jede Kunst der Antike als sakrale Kunst verstanden.

Symbole sind die Sprache der Seele

Der Lebensweg des Menschen

Lebensweg

An einem Beispiel soll die Universalität und auch Vielschichtigkeit der Symbolsprache gezeigt werden: Im Buddhismus ist das Rad mit den acht Speichen das Symbol für die Lehre und damit zugleich das Symbol für den inneren Pfad. Für Lehre und Pfad gibt es in der Kunst aber noch andere Symbole, z.B. die Pyramide, das Mandala, das Labyrinth. Sie alle deuten auf eine Bewegung hin: Bewegungen des Voranschreitens auf dem Pfad. Die Betrachtung von Kunstwerken mit universaler Geltung aus den verschiedenen Kulturen kann zu einem Element der geistigen Entwicklung werden. Das Symbol bzw. „Kunstwerk“, das man betrachtet, berührt das Urbild, das in der eigenen Seele verankert ist.

Der Weg in der universalen Kunst

MonalisaIn der Baukunst wollte man in den alten Zivilisationen ein Abbild des Universums schaffen. Diese „heilige Architektur“ wurde seit jeher mit offensichtlich magischen und symbolischen Zielen ausgeübt. Die ältesten Bauten, Tempel und Denkmäler haben alle eine Beziehung zum Metaphysischen und Religiösen. Man nennt Architektur auch „gefrorene Musik“, und das ist keineswegs nur poetisch zu verstehen, denn die alten Baumeister gehorchten den Gesetzen der Harmonie. Durch die Beziehung zur Sternenwelt stellen die antiken Bauwerke somit auch steinerne Astronomiebücher dar.

Die Pyramide

Pyramide

Zu den archetypischen sakralen Formen, die in fast allen Kulturen zu finden sind, zählt der Berg. Die Pyramide ist ein Symbol für diesen Urberg. Sie soll die Geburt der Erde, ihr Auftauchen aus dem Urwasser darstellen. Es gibt Pyramiden, die man auf breiten, hohen Treppen besteigt, und andere, die man spiralförmig umwandert, bis man den Gipfel erreicht. Der Weg führt über viele, meist sehr mühsam zu ersteigende Stufen aufwärts.

„Des Menschen Seele
gleicht den Wassern:
vom Himmel kommt es,
zum Himmel steigt es,
und wieder nieder
zur Erde muss es,
ewig wechselnd.“
(Johann Wolfgang von Goethe)

Die vier Seiten der Pyramide beziehen sich auf die vier Urelemente und die vier Zugangswege: Religion, Wissenschaft, Politik und Kunst. Die quadratische Basis ist Symbol für die Erde, die Materie. Was in der Basis verschieden und getrennt scheint, wird auf dem Gipfel zur Einheit. Die ägyptischen Pyramidenanlagen und Tempel sind nur im Zusammenhang mit den dahinter stehenden Mysterien zu begreifen. In ägyptischen Mysterienstätten wurden die Pharaonen eingeweiht, welche die Aufgabe hatten, das Wissen der geistigen Welten nie untergehen zu lassen. Die ägyptische Kultur und ihre Tempelbauten, insbesondere die Pyramiden, sind ein Abbild dieser Gesinnung, als Beispiel wollen wir hier näher auf die Cheopspyramide eingehen.

Die Cheopspyramide

Cheopspyramide

Die Große Pyramide befindet sich genau auf dem Kreuzungspunkt zwischen dem 30. Meridian und dem gleichen Breitengrad (29°58’5‚’); es ist der Meridian, der über die größte Fläche an Landmasse verläuft (u.a. den afrikanischen Kontinent). Die Seiten der Pyramide sind nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet und haben eine Abweichung von 4’35’’ zum Nordpol. Und was heißt das? Nach Erzählungen soll das Pyramidon (der Abschlussstein an der Spitze der Pyramide) von Platten aus gehämmertem Gold überzogen gewesen sein. Die Pyramide war von 25.000 alabasterartigen Steinblöcken bedeckt, deren Glätte man mit der des großen Teleskop-Spiegels von Mount Palomar in Kalifornien vergleichen kann. Der Anblick dieser weiß strahlenden Pyramide mit goldenem Pyramidon muss überwältigend gewesen sein. Neueste Forschungen belegen, dass die Cheopspyramide ein initiatisches Zentrum war. Die Form dieser Pyramide ist das sichtbare äußere Zeichen des inneren Weges.

Sonnenscheibe, Mandala, Rosenfenster, Labyrinth

An vier verschiedenen Beispielen aus drei Kulturkreisen soll die Universalität des Kreises als Symbol für den inneren, individuellen und kollektiven Entwicklungsweg hin zum Zentrum gezeigt werden.

Sonnenscheibe

Sonnenscheibe

Am Beginn der Menschheitsgeschichte steht der Aufgang der Sonne. In vielen Kulturen wurde die Sonne als höchster Gott verehrt.

Aztekenkalender

Aztekenkalender

In Mexiko City fand man eine Sonnenscheibe, den sogenannten Aztekenkalender. Der berühmte Sonnenstein erzählt symbolisch die Geschichte der Welt nach den Prophezeiungen der Azteken. In der Mitte ist die 5. Sonne zu sehen. Um sie herum sind die vier vergangenen Zeitalter dargestellt. Die 5. Sonne stellt das 5. Zeitalter der Bewegung, die Geistigkeit, dar. Es ist das Zeitalter der bewussten Menschheit jenseits der vier Sonnen, jenseits der vier vergangenen Menschheiten oder vier Körper der sterblichen Persönlichkeit. Der Sonnenkalender ist also ein Abbild für den kollektiven Entwicklungsweg der Menschheit.

Mandala

Mandala

Ein weiteres Beispiel ist das Mandala. Es ist nicht nur eine Landkarte des Kosmos, es ist auch ein Spiegel der Innenwelt des Menschen, da es archetypische Urbilder der Psyche enthält. und die schauen wie aus? Für den Suchenden ist das Mandala ein Weg der Läuterung. Die Seele umkreist das göttliche Selbst, weil sie sich danach sehnt, in dieses geheime Zentrum des Seins heimzukehren. Das Kreisen um die Mitte und das spiralförmige Wandern zum Zentrum hat seine Entsprechung im Sonnenrad, im Rad der Lehre (heiliger 8-facher Pfad), im Lebensrad (Samsara), im kreisenden Kosmos und im Atom. Das typische Symbol in der sakralen Kunst ist hierfür das Mandala, was im Sanskrit „Kreis“ bedeutet.

Kalacakra-Sandmandala

Das Mandala dient als Meditationshilfe. Es ist ein Diagramm, das mit einfachsten Mitteln – aus Kreis und Quadrat – ein Abbild des Universums entwirft. Der Kreis und das Quadrat sind durch einen gemeinsamen Mittelpunkt verbunden. Er wird als Weltenberg verstanden. Dieser „Nabel“ ist das höchste Ziel des geistigen Stufenwegs – der Ort, an den der Suchende zu gelangen hofft.

Gotische Rosenfenster

Rosenfenster

In Europa sehen wir das Symbol der Sonnenscheibe unter anderem als Fensterrose über dem Hauptportal der gotischen Kathedralen. Die Rosenfenster sind auch Symbole für Tages- oder Jahreslauf. Innen befindet sich das unbewegte Zentrum. Dort kommt man zur Ruhe, an der Peripherie ist Bewegung.

Nordrosette von Chartres

Chartres ist der Ort, an dem die erste vollkommene gotische Kathedrale entstanden ist. Im Zentrum dieser Schule stand das Wissen von einem Schulungsweg des Denkens. Beim Betreten der Kathedrale von Chartres können wir dies noch erahnen und nachempfinden, ohne die Texte selbst studiert zu haben. Die Kathedrale war wie ein Abbild eines dreifachen Stufenweges:

  1. Vom normalen Sinnesbewusstsein – durch das Betrachten des physischen Baus mit seinen Strukturen und Proportionen –
  2. zum Verstehen großer zeitlicher Zusammenhänge – durch das Denken, das durch die Betrachtung des Baus angeregt wird –
  3. zum Erwecken des Innenlebens – das durch eine innere Schau entstehen kann.

Das Labyrinth von Chartres

Das berühmte Labyrinth von Chartres ist ein weiteres Beispiel dieses inneren Entwicklungsweges. Es geht auf das mythische Labyrinth des Minotaurus auf Kreta zurück. Im Mythos drang der göttliche Held, Theseus, in das Labyrinth ein und tötete den Minotaurus. Die weise Ariadne half Theseus, indem sie ihm einen eiförmig um eine Spindel gewickelten goldenen Faden gab. Dieser ermöglichte es ihm, aus dem Labyrinth herauszufinden, indem er den Faden aufwickelte, bis er schließlich ein kugelförmiges, strahlendes Knäuel war. Dies war das Abbild seiner Seele, die durch die Zeit erprobt wurde. Ariadne, sein eigener inspirierender Archetyp, schenkte ihm die mystische Erinnerung.
Im Zentrum des Labyrinths in Chartres befand sich einst eine gravierte Bronzeplatte, auf der die Figuren von Theseus, Ariadne und dem Minotaurus eingraviert waren. Das Labyrinth ist auch ein Symbol für den verschlungenen, mühevollen Lebensweg des Menschen.

Labyrinth von Chartres

MENSCH ERKENNE DICH SELBST

Die sakralen Kunstwerke stellen eine mathematische Wiedergabe der Verwandlung dar, die der Mensch auf sich nehmen muss, um höhere Grade der Entwicklung zu erreichen und um das Schöne, das Gerechte, das Gute wahrzunehmen. Platon sagte: „Es gibt eine Gemeinsamkeit zwischen Schönheit, Wahrheit und Gerechtigkeit. Mit der Idee des Guten und der Idee der Wahrheit erscheint auch immer die Idee der Schönheit. Wenn wir nicht in der Lage sind, uns etwas als gut und gerecht vorzustellen, das nicht zur gleichen Zeit auch schön ist, dann ist das ein Mangel an Entwicklung. Der Mensch darf sich diese drei Dinge nicht getrennt voneinander vorstellen. Und da das Schöne einfacher sichtbar wird als die Wahrheit, kann es uns zur Wahrheit erheben.“
Sakrale Kunstwerke wollen uns Botschaften übermitteln und können uns dabei helfen, dieses „Mensch erkenne dich selbst“ zu leben und zu erleben.

Merken

About The Author

Leave a Reply

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Close