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Kunst des Siegens

„Philosoph bedeutet der Verliebte in die Wahrheit, der Verliebte in die Weisheit, derjenige, der alles der Suche nach dieser Weisheit unterordnet.“

Was ist die geheimnisvolle Kunst des Siegens?

Das Thema, das ich heute behandeln werde, ist die geheimnisvolle oder schwierige Kunst zu siegen. Damit meine ich nicht, über irgendjemanden zu siegen, Türen einzurennen oder zu fühlen, dass andere schwächer sind als wir, sondern ich beziehe mich auf etwas viel Grundlegenderes. Vor vielen Jahren hatte ich einen Lehrer, der mir zeigte, dass die Kunst des Glücklichseins darin besteht, Ziele zu erreichen, die nicht auf Kosten oder dem Unglück anderer begründet sind. In gewisser Weise besteht die Kunst des Siegens darin, unsere Ziele zu erreichen, ohne die anderen als Trittstufen zu benutzen, ohne auf die Köpfe der Schwachen zu steigen, ohne auf jenen herumzutrampeln, die uns anscheinend den Weg versperren, sondern auf eine völlig andere Art und Weise, von ganzem Herzen und mit ganzer Kraft. Was ist daher diese schwierige oder geheimnisvolle Kunst des Siegens?

Das zu sein, was wir wirklich sind

Praktische Philosophie Katze Loewe Manche Menschen scheinen wie ein Stern auf die Welt zu kommen, denen alles gelingt. Im Gegensatz dazu gibt es jedoch andere, denen alles schwer fällt. Und wir treffen manchmal auf die Auserwählten der Geschichte, die durch ihre bloße Anwesenheit wahre Wunder wirken können.

Wie oft haben wir uns im Leben schon gewünscht, eine Heldentat oder etwas Wunderbares zu vollbringen, um voranzukommen, damit uns alle sehen und uns folgen, und trotzdem konnten wir nur kleine Schritte machen. Wie oft wollten wir schon wie die Lerchen singen, wie oft schon wollten wir fliegen? Und trotzdem kamen aus unserer Kehle nur kleine, heisere Stimmchen oder wir sahen uns gezwungen, zu Fuß zu gehen und immerfort weiterzugehen, zum endlos scheinenden Horizont.

Aus diesem Grund fragen wir uns als Philosophen, woraus denn diese Kunst des Siegens besteht. Warum siegen einige und die anderen nicht? Der Akt des Siegens liegt daher nicht darin, uns in Alexander den Großen zu verwandeln, denn wir können nicht alle Alexander sein. Jeder ist das, was er ist und die Kunst besteht darin, das zu sein, was wir wirklich sind, in unserer wirklichen, unserer eigenen Dimension, was immer auch unsere Größe sein mag.

Fehler sind etwas Menschliches

Kunst des Siegens

Alle alten Kulturen und Zivilisationen besaßen sogenannte initiatische Systeme, die der geistigen Entwicklung des Menschen dienten. Im Allgemeinen haben wir ziemlich falsche Ansichten über die Initiationen der alten Hochkulturen. Wir glauben, dass sie aus richtigen Formeln bestanden, das heißt, dass Pythagoras oder Platon vor den Menschen erschienen und ihnen gesagt hätten: „Du sollst um die und die Zeit aufstehen, du sollst dein Ei auf diese und jene Weise essen und du sollst auf die und jene Weise schlafen.“
Nein, so einfach war es nicht, sondern viel menschlicher. Heute stellen wir uns alles mittels Formeln vor, jegliche Lösungen entwerfen wir mit Hilfe von Systemen. Wenn etwas schiefgeht, so liegt der Fehler am politischen System, wenn wir wirtschaftliche Probleme haben, so ist die Regierung schuld, aber in keinem Moment fragen wir uns: Ist das nicht etwas Menschliches? Bin das nicht ich in irgendeiner Weise? Wie weit geht der Wert der Systeme?

Der Mensch hat seinen grundlegenden Wert und deshalb versuchten die Alten nicht, dem Menschen außergewöhnliche Wahrheiten oder mysteriöse Dinge zu vermitteln, sie versuchten vielmehr, ihn innerlich zu reinigen, ihn von allen Dingen der Welt zu befreien, von seinen Ängsten, von allem, was sein Vorankommen behindern könnte. Und so kann sich der in seinem Inneren gereinigte Mensch nach außen entfalten, wie der weiße Lotus. Auch die Säulenkapitelle der antiken Tempel, die Lotusblüten symbolisieren, öffnen sich nach oben – viele Meter über dem Boden.

Ich erinnere mich an den großen Tempel von Karnak in Ägypten. Im Heiligtum von Amon erscheinen jene Säulenkapitelle, die etwas weiter entfernt sind, als geschlossene Lotosknospen, während jene, die näher stehen, vollkommen vertikal zur Sonne geöffnet sind. Dies ist eine alte Lehre, die uns einlädt, uns dem eigenen Selbst zu nähern, diesem Zentrum der Kraft, das wir alle in unserem Inneren besitzen.

Die vier Proben

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Die alten Zivilisationen übten sich im Allgemeinen in vier großen Gruppen von Proben: Erde, Wasser, Luft und Feuer. Exoterisch oder äußerlich hat dies wirklich mit der Erde, dem Wasser, der Luft und dem Feuer zu tun, aber esoterisch mit bestimmten Komponenten unserer Persönlichkeit, das heißt mit unserem physischen Körper, unserem energetischen sowie unserem psychologischen Vehikel und mit unserem mentalen Träger. Aber die Proben als solche waren von wirklich physischem, und zwar äußerst physischem Charakter.

Schritt für Schritt vorankommen

In der Nähe von Syrakus hat man die Reste eines Einweihungsschachtes gefunden – ich habe sie selbst gesehen –, in dem es eine Reihe von seitlichen Löchern gibt. Wenn der Kandidat diesen Schacht, der vollkommen dunkel war, über eine enge Treppe hinunterstieg, kamen aus diesen Löchern Hände hervor, welche ihn stießen, während unsichtbare Stimmen riefen: „Du fällst!“ Man stelle sich die panische Angst des Jüngers vor, der nicht wusste, dass es unten ein Netz gab, das ihn auffing, das heißt, dass er auf keinen Fall sterben konnte. Heute ist dieser Schacht fast geschlossen und man sieht nur einige wenige Meter, aber damals waren es vielleicht etliche Meter mehr. Man stelle sich den Jünger vor, eng an den Felsen gekrallt, der kämpfte, um seine Furcht zu besiegen, und versuchte, einen weiteren Schritt voranzukommen.

Siegen hieß in diesem Augenblick nicht, an das Ende der Leiter zu kommen, dies wäre der endgültige Sieg gewesen. Siegen bedeutete in diesem Fall, Schritt für Schritt eine Stufe nach der anderen zu bewältigen.

Kunst des Siegens

Einer unserer großen Irrtümer ist, dass wir, wenn wir vor einer Treppe stehen, sie in ihrer Gesamtheit sehen und sie sofort bis oben erklimmen wollen. Dies ist jedoch nicht die richtige Herangehensweise, um eine Aufgabe zu bewältigen, sondern unsere Aufgabe ist, eine Stufe nach der anderen hinaufzusteigen. Also sich zu fragen: Wie sieht mein unmittelbares Problem aus? Diese Stufe, nicht die nächste, nicht die übernächste! Wenn wir den Blick allzu weit nach oben richten, etwas, das von Zeit zu Zeit vielen Idealisten passiert, geschieht es leicht, dass wir über die ersten Stufen stolpern und in den Abgrund fallen. Wir müssen zwar das Ziel kennen, den Weg aber ohne allzu viel zu planen Schritt für Schritt gehen. Wenn wir das tun, werden wir auf die eine oder andere Weise immer Hilfe erfahren.

Wir alle wissen, dass die besten Schwerter durch Schläge geschmiedet werden, dazwischen werden sie in eiskaltem Wasser abgekühlt und dann wieder unter Hitze weiterbearbeitet. Müssen nicht auch wir geschmiedet werden? Durch die Schläge und dadurch, dass es ins kalte Wasser getaucht wird, erwirbt das Schwert erst seine Härte, Schärfe und Geschmeidigkeit. Ist der Prozess unseres eigenen Schmiedens durch das Leben diesem nicht ähnlich?

Niemand fällt endgültig

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Es gibt eine japanische Erzählung, in der Schnee auf einen Kirschbaum und auf eine Weide fällt. Ein Zweig des Kirschbaums, der sehr spröde ist, nimmt die Last des Schnees auf, bis er bricht. Die Weide, die elastischer ist, nimmt die Last des Schnees auf und biegt sich durch sein Gewicht, bis der Schnee herunterfällt und der Zweig sich wieder aufrichtet. Wir müssen wieder diese innere Härte erreichen und verstehen lernen, dass fallen nur dazu da ist, um sich von neuem zu erheben.

Niemand fällt endgültig, denn alle Dinge in dieser Welt sind vergänglich. Alles hat einen relativen Wert, unsere Triumphe und unsere Niederlagen. Auf Grund dieser Demut des Herzens können wir erst wirklich vorankommen. Wenn wir die Herrschaft über diese vier Elemente der Natur in unserem Inneren erreichen – die Erde, Wasser, Luft und Feuer genannt werden –, können wir vielleicht keine Wunder vollbringen, aber wir können gewisse Fortschritte machen.

Übe einfach

Kunst des Siegens

  • Es gibt einfache Übungen, um zu verstehen und zu lernen. Nehmt eine mit einem Liter Wasser gefüllte Flasche und haltet sie mit ausgestrecktem Arm. Am Anfang sieht dies sehr leicht aus, denn wer kann nicht einen Liter halten, aber wenn die Zeit vergeht und damit das Gewicht sich scheinbar vergrößert, wird unser Arm immer mehr zu schmerzen beginnen, jeden Augenblick fühlen wir das Gewicht stärker und es fühlt sich so an, als ob eine ganze Kuh an ihm hängen würde.
  • Setzt nun euren Willen in die Praxis um. Zählt zum Beispiel die verschiedenen Ziegel auf einem Dach, ohne die Flasche loszulassen. Ihr werdet sehen, dass ihr viel leichter widerstehen könnt, wenn sich der Geist vom Schmerz entfernt.
    Dasselbe passiert mit den Dingen des Lebens. Wenn euer Geist sich an jedes eurer Probleme anklammert, dann werdet ihr auch nicht der geringsten Widrigkeit standhalten können.
  • Wenn ihr einer ernsthaften Widrigkeit gegenübersteht, versucht immer, eine Minute länger Widerstand zu leisten. Denkt nicht daran, es eine Stunde auszuhalten, einen Tag, ein Jahr oder gar das ganze Leben. Nein, eine Minute länger, nicht mehr als eine Minute länger und danach eine weitere Minute länger. Auf diese Weise wird sich nach und nach die Zeit der Standhaftigkeit verlängern. Die Macht unseres Geistes ist gewaltig.
  • Macht eine weitere Übung und messt die psychologische Dauer einer Minute. Stellt euch vor, dass ihr einen großen Preis erhalten werdet (jeder kann sich dazu vorstellen, was er mag), wenn der Sekundenzeiger wieder bei zwölf ankommt. Ihr werdet sehen, wie langsam in diesem Fall der Sekundenzeiger vorankommt, er scheint sogar rückwärts zu gehen.
    Danach machen wir die Übung umgekehrt, wir stellen uns vor, dass beim Ende der Umdrehung des Sekundenzeigers unter unseren Füßen eine Bombe explodieren wird. Jetzt werdet ihr sehen, wie schnell er saust, Punkt für Punkt, es scheint, als ob die Uhr verrückt spielt. Die Uhr jedoch zeigt immer dieselbe Zeitspanne mit demselben Rhythmus an.Was hat sich geändert? Unsere Perspektive. Wenn wir etwas mit allzu leidenschaftlicher Inbrunst wünschen, wird uns dessen Erfüllung viel zu langsam erscheinen.

Sei mit einfachen Dingen zufrieden

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Wir müssen dem Leben den Wert geben können, den es wirklich hat, dann werden wir eine viel wahrheitsgetreuere Version von all dem erhalten, was uns widerfährt. Heute laufen wir im Allgemeinen dem Geld, dem Ruhm oder der Anerkennung nach. Ein besseres Auto, eine größere Wohnung … auf diese Weise stehen wir immer unter Spannung, nichts ist uns genug, denn es kommt uns immer vor, dass wir nur wenig hätten, dass wir daher ständig etwas Neues brauchen. Dies ist das große Gespenst des Konsumismus, das unsere Seele verhärtet hat und eine der übelsten Formen des Materialismus ist.

Lernen wir doch, uns mit einfachen Dingen zufrieden zu geben. Ich sage nicht, darauf zu verzichten, mehr zu haben, sondern ich sage nur ganz einfach, dass wir in Frieden mit uns sein und erst darauf achten sollten, auf welche Weise wir ein bisschen mehr wachsen können.

Tue die Sache für die Sache an sich

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Das Geheimnis liegt darin, wirklich zu wissen, was ist, was wir tun können, wie wir es tun können und alle unsere Aufmerksamkeit und Kraft darauf zu richten. In Wirklichkeit haben wir wesentlich mehr Kraft, als wir annehmen. Jeder Einzelne von uns, wie klein er auch sein mag, besitzt große Möglichkeiten. Einige werden denken: „Ich schreibe keine Gedichte, denn … wie soll ich einen Verlag finden? So gut bin ich nicht.“ Wir sollten diese Haltung des Vergleichens, des Wettbewerbs, diese Art des ungesunden Sports loslassen. Ändern wir unsere Geisteshaltung und tun wir die Sache für die Sache an sich. Wenn ihr gerne Gedichte schreibt, dann tut es! Es ist unwichtig, ob sie veröffentlicht werden oder nicht!

Wie haben es die Dichter gemacht, als es den Buchdruck noch nicht gab? Was haben die Dichter zur Zeit von Sappho getan, dass ihre Werke überall bekannt waren und dass sie sogar bis ins Mittelalter überdauert haben, in dem sie dann unglücklicherweise zerstört wurden? Die Poesie wurde durch die Menschen selbst verbreitet. Wir brauchen keine großen Mittel, damit unsere Schöpfungen und Taten wirklich sind. Das Buch, das ich am meisten liebe, habe ich mit 19 Jahren zu schreiben begonnen und ich habe niemals daran gedacht, dass es einmal veröffentlicht werden würde, ich schrieb es ganz einfach, weil ich mich danach fühlte.

Zeige der Welt deine inneren Schätze

Kunst des Siegens

Wie viele Leute gibt es, die in sich Bücher, Botschaften, Schätze oder eine Persönlichkeit tragen? Man muss sie herausholen, man muss die Kraft haben, sie aus sich selbst herauszuziehen, sie der Welt zu zeigen. Die Menschen sind es überdrüssig, dass man zu ihnen mittels der großen Systeme spricht, sie möchten, dass man aus dem Herzen zu ihnen spricht, von Mann zu Mann, von Frau zu Frau, von Mensch zu Mensch. Daher kommt der lateinische Begriff für Eintracht – concordia = eines Herzens sein. Dies ist keineswegs Gleichheit, nein – die Gleichheit ist steril –, sondern es ist etwas, das bewirkt, dass sich das Eine mit dem Anderen ergänzt, so wie die Zahnräder eines Getriebes. In dieser Ordnung gibt es die Möglichkeit der Kraftübertragung: spirituelle Kraft, physische Kraft und viel mehr! So entwickelt sich die innere Kraft, die zum Sieg führt – mittels aller kleinen Erfolge. Diese müssen täglich da und kontinuierlich sein, um uns mit Glauben und Freude zu erfüllen.

Vielleicht malt ihr Bilder, vielleicht macht ihr Zeichnungen. Macht sie! Es ist unwichtig, ob die Menschen sie anerkennen oder nicht. Jenseits der Menschen, jenseits der Umwelt gibt es einen anderen Richter, einen „sehr großen Richter“, der so groß ist, dass wir nicht sagen können, welche Ausmaße er besitzt.

Dieser „große Richter“ wird unsere kleinen Erfolge und unsere kleinen Freuden beschützen: die Verse, die wir niemals geschrieben haben, die Zeichnungen, die wir nicht gemacht haben, die Lieben, die wir nicht gehabt haben, die Gelegenheiten, die uns entschlüpft sind. Trotzdem leben diese, begleiten uns und warten auf ihre Verwirklichung.

Verbinde dich mit deiner Bestimmung

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Jeder Einzelne von uns, auch der Kleinste, auch derjenige, der sich am winzigsten fühlt, auch derjenige, der glaubt, dass er der Einsamste ist, besitzt die Fähigkeit zum Sieg. Er hat die Fähigkeit, mit kleinen Schritten weiterzugehen und kleine Erfolge zu erringen, die ihn sachte vorwärts stoßen werden. Es fehlen keine Formeln, auch nicht spezielle Hilfestellungen. Man kann immer vorwärts gehen, sich immer mehr perfektionieren. Jeder Einzelne von uns muss sein eigenes Licht suchen, seinen eigenen Platz, und wenn wir dort glücklich sind, ist das großartig – wenn nicht, können wir es anderswo sein. Grundlegend dabei ist, niemandem Schaden zuzufügen. Grundlegend ist, Licht zu haben.

Stellt euch vor, ihr habt eine Kerze. Wollt ihr diese Kerze haben oder wollt ihr Licht haben. Wenn ihr eine Kerze haben wollt, so werdet ihr euer ganzes Leben im Dunkel verbringen. Wenn ihr Licht wollt, werdet ihr diese Kerze aufbrauchen müssen, ein Streichholz holen und damit die Kerze anzünden müssen. Das Licht ist immer nach oben gerichtet, wie ein leuchtendes Schwert. Materie unterliegt der Schwerkraft und dem Verfall. Die Alten sagten: „Omnia transit.“ Alles vergeht, alles ist in Bewegung … alles fließt. Alles hat eine Bestimmung. Verbinden wir uns mit der Bestimmung! Wir sehen, wie das Wasser plätschernd von den Bergen herunterfließt. Und welches ist das reinste? Jenes, das über die meisten Steine fließt, das in Kaskaden herunterfällt und sich in großer Gischt zerstäubt. Jenes Wasser, das sich im Stau ruhig verhält, verschmutzt schließlich und kein Lebewesen kann in ihm wohnen.

Macht aus eurer Welt eine Welt der großen Ideen, damit in euch die guten Gedanken und Gefühle wohnen. Lasst euch nicht in die Knie zwingen. Erhebt euch wieder und immer wieder und richtet euer Denken nach vorne. Wir müssen alle sterben und vielleicht müssen wir alle wiedergeboren werden. Wir sind alle dem „Großen Rad“ unterworfen, dem „Großen Samsara“. Aber jenseits von all dem sind wir unserem eigenen Willen unterworfen.

Wo sind heute die Helden?

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In der Nähe des Wegs zu den Thermopylen fand ich eine alte Inschrift, die lautet:

„Wanderer, wenn du in unsere Stadt kommst, so sage ihnen, dass hier dreihundert Spartaner in der Erfüllung ihrer Gesetze gestorben sind.“

Sie dienen uns heute noch als Beispiel. Leonidas zählte die Perser nicht, die er vor sich hatte, für ihn zählte ganz einfach, dass er einen Engpass zu verteidigen hatte, denn dahinter befand sich der Schatz der Athener, ein mystischer und kultureller Schatz. Es gelang ihm, drei Tage zu gewinnen, nicht mehr, aber in diesen drei Tagen wurden viele Dinge gerettet. Wo sind heute diese Helden, wenn nicht in uns? Wo sind jene Außergewöhnlichen, die Leonidas gefragt haben: „Herr, heute werden wir kämpfen. Müssen wir viel essen, um vor dem Feind stark zu sein?“ Leonidas antwortete ihnen: „Nein, esst leicht, denn heute Nacht haben wir ein großes Festmahl mit Pluto, dem Gott des Todes!“  Diese Soldaten schauderten nicht, sondern sie sahen ihn an und sagten: „Und du, Leonidas, wirst du auch bei diesem Festmahl sein?“ und er antwortete: „Ich werde der Erste sein!“ „Dann werden wir alle heute Nacht mit dir und Pluto speisen!“

Wo sind diese großartigen Männer von einst? Wo sind sie, wenn nicht in uns? Sie sind nicht vergessen, sie sind nicht verloren. Wir haben sie nur unter der Furcht und Unsicherheit begraben. Befreien wir uns also aus der Erstarrung und gehen wir unseren Weg, Schritt für Schritt.

About The Author

Archäologe, Historiker, Poet und Philosoph, war seit seiner Jugend ein leidenschaftlicher Schriftsteller. Er widmete sich schon seit seiner frühesten Jugend den Traditionen der alten Völker. Zu seinen vielen öffentlichen Auszeichnungen gehören u.a. seine Aufnahme als Mitglied in die internationale Burckhard-Akademie in der Schweiz sowie in die Universität „La Sorbonne“ als Träger des Pariser Kreuzes für Wissenschaft, Kunst und Literatur. 1957 gründete er die Internationale Organisation Neue Akropolis. Sein Ziel war es, wieder eine praktische Philosophie als Lebenshaltung zu etablieren und damit an der Tradition der Philosophie im klassischen Sinne anzuknüpfen.

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