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Schiller

Die Aktualität von Schiller heute

„Unbedingt aktuell“ möchte man rufen. Schiller fordert nämlich dazu auf, zu überprüfen, wer und was unser Leben bis in unseren Alltag hinein im Grunde bestimmt.

Inwieweit frönen wir den Vorgaben von Werbung, Konsumismus und modernen Medien, deren Anliegen es ist, möglichst großen Einfluss auf uns auszuüben?

Wir brauchen Tugenden wie Mut, Willenskraft, Mäßigung – kurzum, unseren Verstand, um auszuloten, was uns als Individuum und unserer Gesellschaftsform zuträglich ist. Wenn heute Praktiken wie Yoga, Trainings zur Achtsamkeit, Meditation etc. so viel Anklang finden, beweist dies die wachsende Notwendigkeit, die gestörte Harmonie wiederherzustellen, was manchmal ein Wenden der Not bedeutet. Dies gelingt jedoch nur unter der Voraussetzung – und das ist das Credo von Schiller – dass wir unser gesamtes Leben in all seinen Facetten auf den Prüfstand stellen und nach dem Harmonieprinzip gestalten. Anders ausgedrückt: dass wir das Spiel all unserer Kräfte immer aufs Neue gestalten. Mehr noch: die Gestaltung als Spiel zu verstehen, denn

… um es endlich herauszusagen, der Mensch spielt nur, wo er in voller Bedeutung des Wortes Mensch ist, und er ist nur ganz da Mensch, wo er spielt … (Schiller 2017, S. 62)

Damit meint er die Freude am Spiel, dem ständigen Ausloten des Gleichgewichts mit spielerischer Leichtigkeit. Es gilt, das eigene Leben als Spiel widerstreitender Kräfte zu verstehen und wahrzunehmen und sich bewusst zu machen, welche Kräfte ich in mir nähren möchte.

Das vernunftbegabte Wesen „Mensch“ nutzt seine Potenziale im Zusammenspiel von Natur und Kultur, Vernunft und Gefühlen/Intuition, und zwar in der Gestaltung von sich als Individuum und als Mitglied der Gesellschaft.

schiller

Welch aktuelle Vision in Zeiten der Technikgläubigkeit und Digitalisierung! Ästhetische Bildung als Notwendigkeit des „Anthropozän“. Sie würde einen Paradigmenwechsel einläuten. Mehr noch: Ist unsere jetzige durchökonomisierte Lebensform von der männlichen Energie der Gewinnmaximierung und Konkurrenz geprägt, führt die Herzensöffnung – auch darauf weist Schiller hin – zur Entfaltung weiblicher Energieformen der Ästhetik, die den Menschen erst wieder zum ganzen Menschen werden lassen. Eine wahre „innere Revolution“.

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