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konzentration

Der Traktor eines Bauern lief nicht mehr. Alle Versuche des Bauern und seiner Freunde, das Fahrzeug zu reparieren, misslangen. Schließlich rang sich der Bauer durch, einen Fachmann herbeiholen zu lassen. Dieser schaute sich den Traktor an, betätigte den Anlasser, hob die Motorhaube an und beobachtete alles ganz genau. Schließlich nahm er einen Hammer. Mit einem einzigen Hammerschlag an einer bestimmten Stelle des Motors machte er ihn wieder funktionsfähig. Der Motor tuckerte, als wäre er nie kaputt gewesen. Als der Fachmann dem Bauern die Rechnung gab, war dieser erstaunt und ärgerlich. „Was, du willst fünfzig Tuman, wo du nur einen Hammerschlag getan hast!“ „Lieber Freund“, sagte da der Fachmann, „für den Hammerschlag berechne ich nur einen Tuman. Neunundvierzig Tuman aber muss ich für mein Wissen verlangen, wo dieser Schlag zu erfolgen hatte.“

Was sagen Sie dazu? Ist die hohe Rechnung des Fachmanns gerechtfertig? Oder meinen Sie, dass er für diesen Betrag mehrere äußerlich sichtbare Handlungen hätte verrichten müssen?
Offenbar hatte er Achtsamkeit, Erfahrung und Konzentration eingesetzt. Dies schien dem Bauern nicht so viel wert zu sein.

Viele Menschen klagen darüber, dass ihr Geist ständig abgelenkt wird oder dass sie sich nicht konzentrieren können. Unser gesellschaftliches Leben preist ja sogar „Zerstreuungen“ zur Freizeitgestaltung an. Unsere Sinne sind einem permanenten Feuerwerk von intensiven, manchmal fast gewaltsamen Eindrücken ausgesetzt – denken Sie nur an die Lautstärke in manchen Kinos oder Discos. Das Bewusstsein wird nach außen gerissen, das Denken und der innere Mensch verkümmern. So benutzen und trainieren wir unsere geistigen Fähigkeiten zu wenig. Konzentration und Achtsamkeit gehören dazu. Ihnen wird vor allem in der buddhistischen Philosophie ein hoher Stellenwert eingeräumt.

Das indische Wort für „Mensch“ ist „man“ – wie im Englischen. Was den Menschen ausmacht und ihm seinen Namen gibt, ist die mentale, geistige Kraft, „Manas„. Das Ziel besteht darin, der Macht des Geistes über die Materie Ausdruck zu verleihen. Die Inder – als ausgezeichnete Kenner der menschlichen Natur – wussten, dass der Geist aus einem materiellen Teil besteht – dem „Wunsch-Geist“ oder „Kama-Manas“ und dem spirituellen Geist, „Manas“.

Konzentration

Der niedere Geist zerteilt, zerstückelt, zerstreut uns, hüpft wie ein Affe auf der Suche nach der dicksten Banane von Ast zu Ast. Hier liegt die Wurzel unserer inneren Zerrissenheit. Manas, das höhere Denken, ist ruhig, klar, es besitzt die Fähigkeit zur Synthese und zur Konzentration.

Wer sein Denken beobachtet, wird schnell bemerken, dass es uns nicht leicht fällt, das höhere Denken zu aktivieren. Unser Bewusstsein ist meist von dem „inneren Geschwätz“ in Anspruch genommen, das dem niederen Geist entspringt. Die innere Zerstreuung entsteht aus der Art und Weise, wie wir auf die Dinge, die uns begegnen, reagieren. Wir werten, klagen innerlich oder freuen uns, fühlen uns als Opfer …

Innere Verwirrung entsteht auch aus unseren Haltungen, Vorurteilen, Meinungen. Wir haben widersprüchliche Neigungen und Interessen in uns, die oft zu Konflikten oder Problemen führen – nicht nur mit den anderen, sondern auch mit uns selbst. Eine Voraussetzung zur Zähmung unseres eigenen Geistes ist es, die eigenen Wünsche, Einstellungen und Interessen ohne Wertung ins Bewusstsein zu heben und zu untersuchen, ob sie schädlich oder förderlich für einen selbst oder für andere sind. Es ist wichtig, sich nicht von ihnen beherrschen zu lassen, sondern sie wahrzunehmen und die Widersprüchlichkeiten zu erkennen und sie aufzulösen.

Wie aktivieren wir also das höhere Denken und die innere Ruhe und Klarheit? Wie kommen wir zur bewussten Einheit und Ganzheit?

Durch Übung. Es gibt keine andere Möglichkeit. In den östlichen spirituellen Schulen hat man verschiedene Methoden und Wege entwickelt, den Geist zu trainieren und seine Macht immer weiter auszubauen.

Wir können unsere Konzentrationsfähigkeit wie einen Muskel trainieren. Es gibt zahlreiche Übungen. Und das Schöne ist: die meisten lassen sich in den Alltag einbauen. Sie müssen keinen Meditationskurs besuchen oder aufwändige Techniken erlernen. Ihr Leben, so wie Sie es Tag für Tag gestalten, ist das beste Übungsfeld.

Hier ein paar Tipps zum Training der Konzentrationsfähigkeit:

Selbstbeobachtung

Konzentration

Wenn wir uns selbst genau beobachten, erkennen wir das „innere Geschwätz“ des niederen Geistes. Wir sollen es einfach wahrnehmen, beobachten, ihm keine besondere Wichtigkeit geben und vor allem: es nicht bewerten. Fühlen wir uns schuldig oder ärgern wir uns darüber, schwächen wir uns durch diese negativen psychischen Haltungen. Und dies gibt dem inneren Geschwätz neue Nahrung.

Konzentriert handeln

Konzentration

Verrichten Sie nur eine Tätigkeit zur selben Zeit und schließen Sie diese ab, bevor sie etwas Neues beginnen. Machen Sie nicht mehrere Dinge gleichzeitig, das zerstreut. Der Dirigent Arturo Toscanini sagte auf die Frage nach der einzigartigen Qualität der von ihm geleiteten Orchesterwerke: „Sehen Sie, wenn ich eine Orange schäle, dann schäle ich eine Orange.“

Stille üben

Konzentration

Nehmen Sie bewusst „Stille“ wahr. Schalten Sie eine Weile kein Radio, keinen Fernseher, keinen CD-Player ein. Beobachten Sie die Wirkung der Stille auf Ihren Geist. Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl und atmen Sie ruhig in den Bauch. Lassen Sie „es“ atmen.

Anker der Zentrierung setzen

Konzentration

Nützen Sie jeden Übergang des Tages zur Zentrierung. Wenn Sie z.B. in die Arbeit gehen, nützen Sie diesen Weg, um sich mit Ihrer inneren Achse zu verbinden. Sprechen Sie innerlich einen Satz, z.B. „Ich verbinde mich mit meiner Achse. Ich handle aus meinem inneren Zentrum heraus.“ Wenn Sie Mittagspause haben, zentrieren Sie sich wieder. Und so setzen Sie immer mehr „Anker“ der Zentrierung am Tag, bis Sie irgendwann die ganze Zeit zentriert bleiben.

Konzentrationsübungen

Konzentration

Betrachten Sie den Punkt eines Räucherstäbchens, einen Punkt an der Wand oder einen Punkt in einem Kreis, denken Sie nur an diesen und schalten Sie das innere Geschwätz ab. Bringen Sie Ihren Geist immer und immer wieder zurück zum Punkt, lassen Sie sich nicht auf andere Gedanken ein. Bleiben Sie geduldig.

Haben Ihnen diese Ratschläge geholfen? Wir freuen uns, wenn Sie uns über Ihre Erfahrungen schreiben!

About The Author

Gudrun Gutdeutsch leitet seit über 10 Jahren den Treffpunkt Philosophie Deutschland. Seit 30 Jahren praktiziert sie Philosophie als Lebenskunst und ist als Kurs- & Seminarleiterin und Vortragende tätig. Seit 15 Jahren schreibt sie die Serie "Lebenskunst" für das Magazin "Abenteuer Philosophie". Außerdem wirkt sie als Trainerin (u.a. für das FREUNDE-Programm) und Fachberatung für Interkulturelle Pädagogik.

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