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Reflexion
5. Eigene Stärken und Tugenden aktivieren

Genauso wie wir Schwächen und Fehler haben, verfügen wir über ein großes Potenzial an positiven Eigenschaften, Charakterstärken, Tugenden und Fähigkeiten. Jetzt geht es darum, zu analysieren, welche mir in dieser Situation helfen können. Kennen Sie Ihre Stärken und Tugenden? Oder sind Sie Experte Ihrer Schwächen und Fehler? Leider fällt es vielen Menschen leichter, ihre Schwächen wahrzunehmen als ihre guten Seiten … Nur Mut, Sie verfügen über positiven Eigenschaften und können ja auch Ihre Freunde, Verwandten etc. fragen, was diese an Ihnen schätzen. Hilfreich ist es, eine Liste der eigenen starken Seiten und positiven Charakterzüge zu erstellen, die man immer wieder ergänzt, denn oft fallen sie einem erst nach und nach auf.

6. Eine Lösung finden

Reflexion

Wenn Sie Ihre Stärken und Schwächen jetzt kennen, können Sie eine Lösung finden. Entweder Sie entwickeln eine neue Handlungsstrategie mit sich selbst oder anderen Personen oder – und auch das kann vorkommen: Sie kommen zum Schluss, dass Sie die Situation einfach nur friedvoll akzeptieren können. Es ist wichtig, sich nicht mit offenen Problemen und Fragen herumzuquälen, denn das kostet Energie und Lebensfreude. Ideal wäre es, dass man zu jedem Ereignis eine klare Haltung hat. So weit, so gut. Doch jetzt kommt der wesentlichste Teil: die praktische Umsetzung. Nur so zeigt sich, ob Sie mit Ihrer Analyse und den Lösungsansätzen richtig lagen. Was nützen die schönsten Erkenntnisse, wenn Sie nicht eine bewusstere und gelassenere Lebensführung erzielen können?

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass es ein sehr langwieriger, doch auch sehr befriedigender Prozess ist. Er bringt Sie zu einer neuen und tieferen Beziehung mit Ihrer Seele, zu einer Verbundenheit mit den anderen, der Natur und Gott (oder dem Seienden – wie auch immer Sie es nennen mögen). Und zu einem tieferen Verständnis der Gesetze des Lebens und des Sinns Ihrer Proben. Und das ist ja unsere wahre Lebensaufgabe.


Platon und die Vase
Eines Abends fand in Platons Haus ein Gastmahl statt. Zahlreiche Gäste waren versammelt, um nicht nur zu tafeln, sondern um vor allem auch miteinander zu philosophieren. Wie es damals üblich war, lagen die Gäste nach dem Abendessen auf ihren Liegebetten und tranken Wein, der von den Sklaven eingeschenkt wurde. Da trug es sich zu, dass einer der Sklaven unaufmerksam war und versehentlich die kostbarste Vase umstieß, die daraufhin in tausend Stücke zerbrach. Platon blieb ganz ruhig und reagierte nicht. Seine Freunde waren über den Verlust erschrocken und fragten Platon, warum er den Sklaven nicht strafte oder tadelte. Der große Philosoph antwortete:

Nicht jetzt werde ich dies tun, denn ich bin erzürnt und deshalb ungerecht. Ich werde morgen mit ihm reden, wenn mein Gemüt ruhig ist.

Und er wandte seine Aufmerksamkeit wieder dem Gegenstand der philosophischen Erörterung zu.

About The Author

Gudrun Gutdeutsch leitet seit über 10 Jahren ehrenamtlich den Treffpunkt Philosophie Deutschland. Seit 30 Jahren praktiziert sie Philosophie als Lebenskunst und ist als Kurs- & Seminarleiterin und Vortragende tätig. Seit 15 Jahren schreibt sie die Serie "Lebenskunst" für das Magazin "Abenteuer Philosophie". Außerdem ist sie Autorin des Buches "Wie duscht ein Philosoph?" Beruflich wirkt sie als Trainerin (u.a. für das FREUNDE-Programm) und als Fachberatung für Interkulturelle Pädagogik und sprachliche Bildung.

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