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Spiritualität

Der spirituelle Mensch ist einfach, weil seine Beweggründe einfach sind. Er ist frei vom Wunsch nach Prestige, Macht, Stellungen, Anerkennung etc. Er agiert nicht auf egoistische Weise. Sein Leben verläuft in Schönheit, weil es zur Ganzheit gekommen ist. Weil sein Denken, Fühlen und Handeln vom Geist gelenkt ist, wirkt er harmonisch und trachtet danach, den Naturgesetzen in allen Bereichen des Lebens zu entsprechen.

Ein Bild zum Beispiel mag reich an Details sein, ist aber erst dann ein Meisterwerk, wenn jede Einzelheit dazu dient, die Gesamtidee auszudrücken. Das Wesen des Lebens besteht darin, eine Ordnung zu schaffen und alles zu einer harmonischen Einheit verschmelzen zu lassen. Eine wahrhaft spirituelle Gemeinschaft wäre dann verwirklicht, wenn die Menschen harmonisch zusammenwirkten.

Spiritualität heute

Spiritualität

Nach Mahatma Gandhi sind die sieben modernen Sünden des Menschen:

  1. Politik ohne Prinzipien
  2. Gesellschaft ohne Moral
  3. Reichtum ohne Arbeit
  4. Erziehung ohne Charakter
  5. Wissenschaft ohne Menschlichkeit
  6. Genuss ohne Gewissen
  7. Religion ohne Opfer

Heute ist dem Menschen nichts mehr „heilig”. Er tötet andere Menschen, ohne zu wissen, was Menschsein wirklich bedeutet. Er vernichtet die Natur, ohne zu wissen, was sich hinter den Dingen der Natur verbirgt. Viele Menschen sagen, sie glauben nicht an Gott. Glauben sie wirklich nicht oder lehnen sie nur – weil sie intelligent und gebildet sind – die vereinfachten, fabelähnlichen Formen ab, von denen die Religionen umhüllt sind?

Die verschiedenen Kirchen und Religionen sind heute politisch tätig und machtorientiert, was den schon nicht mehr sehr starken Glauben der Menschen zusätzlich geschwächt hat. Heute gibt es fundamentalistische, terroristische Verbrechergruppen wie die IS-Terrorgruppen, die sich auf ihre Religion beziehen. Es häufen sich sexuelle Übergriffe durch Priester an Kindern, Jugendlichen und Frauen. Durch falsch verstandene Religiosität werden Frauen im Genitalbereich verstümmelt und Geistliche legen religiöse Lehren falsch aus.

Nicht die unterschiedlichen Religionen neigen zum Verbrechen, sondern die Menschen, die in ihrer blinden Suche den Pfad ihrer Spiritualität mit Blut beschmieren. Der Materialismus, der sich auf veraltete und entstellte Religionsformen stützt, hat jegliches echte religiöse Gefühl verhindert. Als Folge davon sind die heutigen Gesellschaften unfähig, transzendente Werke zu verwirklichen. Trotz der aufrichtig spirituellen und mystischen Menschen ist die Mehrheit enttäuscht, vor allem junge Menschen, die ja unsere Zukunft sind.

Erneuerung der Spiritualität

Spiritualität

Es ist daher dringend eine neue Spiritualität notwendig, bzw. eine Wiederbelebung der alten Spiritualität und Mystik durch neue Mystiker. Wir brauchen eine spirituelle Inspiration, die den Menschen auf natürliche Weise zur inneren Erkenntnis seinereigenen spirituellen geistigen Wurzeln und Werte bringt. Diese innere Erkenntnis Gottes ist unabhängig von allen sozialen Schichten, allen geschichtlichen Umständen und allen geografischen Orten.

Wir sollten als Philosophen nicht ein neues Verständnis der Religionen fordern, sondern der Spiritualität und Mystik. Denn jeder Mensch hat das Recht und die Pflicht, sein spirituelles Empfinden durch jene Konfession auszudrücken, die ihm am meisten zusagt, aber gleichzeitig sollte er auch andere Konfessionen respektieren. Hans Küng schreibt in seinem Werk „Die Idee des Weltethos“:

„Immer deutlicher wurde mir in den letzten Jahren, dass die eine Welt, in der wir leben, nur dann eine Chance zum Überleben hat, wenn in ihr nicht länger Räume unterschiedlicher, widersprüchlicher oder gar sich bekämpfender Ethiken existieren. Diese eine Welt braucht ein Ethos; diese eine Weltgesellschaft braucht keine Einheitsreligion und Einheitsideologie, wohl aber einige verbindende und verbindliche Normen, Werte, Ideale und Ziele.“

Ähnlich bezeichnet auch der Dalai Lama als Grundspiritualität die grundlegenden menschlichen Werte der Güte, der Freundlichkeit, des Mitgefühls und der liebevollen Zuwendung. Insoweit könnte man von einer humanistischen Spiritualität sprechen, die darauf ausgerichtet ist, die Werte des Humanismus zur eigenen Lebenswirklichkeit werden zu lassen.

Synthese

Spiritualität

Die Spiritualität baut auf der Moral und der Philosophie auf – als der Suche nach Weisheit im Sinne der Antworten auf die wesentlichen Fragen des Menschen: die Fragen über sich selbst, über die Natur, über Gott, über den Sinn des Lebens.

Spirituell zu leben bedeutet Verwurzelung im Geist, die Wahrheit direkt wahrnehmen zu können und mit diesen Werten in Übereinstimmung zu leben. Spiritualität leben bedeutet, moralische Werte zu leben wie Gerechtigkeit, Vernunft (Intelligenz), Tapferkeit, Besonnenheit, Schönheit und wahrhaftig die Weisheit in allen Lebensbereichen suchen und leben.

Wenn wir diese Spiritualität im Alltag leben, gelangen wir zu innerer Harmonie und verleihen unserem Leben mehr Qualität.

Die goldene Regel – Alle Religionen vertreten dieses Prinzip der Gegenseitigkeit:

„Was du nicht willst, das man dir tu´, das füg´auch keinem anderen zu.“

 

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