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Mythen

Nichts scheint selbst für das kritische Denken so geeignet zu sein wie ein Mythos, um die eigene Bedeutung und Wirkungsmacht darzustellen.

Herder, der die verschiedenen Mythologien der Völker untersucht hat, hat das schön formuliert:

„Wir lachen die griechische Mythologie aus, und jeder macht sich vielleicht die seinige.“

J. G. Herder

In der späten Aufklärung, vollends dann in der Romantik, ändert sich die Einstellung zum Mythos immer mehr. Schelling sagt dazu:

„Grundlage aller Kunst und Poesie ist die Mythologie.“

F. W. J. Schelling

Ihm schwebt eine „Philosophie der Mythologie“ als Programm vor und er geht sogar auf die Suche nach einer „neuen Mythologie“. Dasselbe Interesse kann man – jede Bewertung einmal beiseitegestellt – auch in der Opernmythologie Richard Wagners sehen.

Friedrich Nietzsche hat in weiterer Folge die größten Kräfte der von ihm bewunderten griechischen Antike in der Zeit von Mythos und Drama gesehen. Der Niedergang dieser großen Kultur beginnt für ihn mit dem rationalen Fragesteller Sokrates, mit Analyse und Wissenschaft. Aber auch für Nietzsche wirkt der „mythologische Trieb“ weiter.

Wo die „Mythen bildende Kraft“ zu fehlen beginnt, da beginnt auch die Lebendigkeit des Menschen zu verblassen.

Der Mythos gleicht dem Instinkt, der Voraussetzung für alle schöpferische Kraft ist, und damit Voraussetzung für Kultur und Leben überhaupt.

Beispiele für die bleibende Wirkungsmächtigkeit des Mythos in der Moderne lassen sich leicht aufspüren. Dem amerikanischen Traum der Besiedelung eines paradiesisch reich anmutenden Landes liegt der Mythos des Zugs nach Westen (Go West) zugrunde. Was im Morgenland mit der Geburt Christi begann, was sich Richtung Westen über Rom und Germanien hin fortsetzte, findet seine Vollendung westlich des Atlantiks und dann am westlichen Rand der USA, in Kalifornien, jedenfalls in „God ́s own Country“.

Oder: Der Untergang der Titanic ist nicht als Zeitungsmeldung in Erinnerung geblieben, sondern als die mythische Geschichte vom Erliegen der Zivilisation vor der stets größeren Natur. Anders ließe sich auch kaum erklären, warum dieses Ereignis inzwischen in mehr als 80 Kinoverfilmungen thematisiert wurde.

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