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Zu Beginn des 20. Jhs.s war die psychiatrische Medizin noch kein wissenschaftlich fundiertes Gebiet und die Existenzphilosophie noch in ihren Kinderschuhen. Beides änderte sich durch die Arbeiten von Karl Jaspers.
Ursprünglich wollte er Jurist werden. Schließlich studierte er Medizin, um sich später im Fach Psychiatrie zu spezialisieren. Dass er letztlich sogar Ordinarius für Philosophie wurde (obwohl er nie Philosophie studierte), ist auf seine außerordentlichen wissenschaftlichen Leistungen zurückzuführen.
Schon mit 30 Jahren veröffentlichte er seine „Allgemeine Psychopathologie“, ein Werk, das der methodischen Grundlegung der Psychiatrie als Wissenschaft diente. Es machte ihn vor allem in der Fachwelt der Medizin bekannt.
Dass sich mit Jaspers Denken zugleich eine neue Art von Philosophie ankündigte, verdeutlichte sein zweites Frühwerk: „Psychologie der Weltanschauungen“.
Damit war der Grundstein der modernen Existenzphilosophie gelegt. Jaspers beschäftigt sich darin mit den psychologischen Motiven von Glaubensvorstellungen sowie mit den Abgründen existenziell prägender Grenzsituationen.
„Es bleibt nur ein Weg: Die Philosophie muss die Wahrheit, den Sinn und das Ziel unseres Lebens zeigen. Sie ist von ungeheurem Wert. Wenn sie nicht wäre, müsste das Leben scheußlich sein.“

Es brachte Jaspers jedoch nicht nur Berufungen ein, sondern besonders auch Ablehnung

Jaspers Sein Professoren-Kollege in Heidelberg, der Neukantianer Heinrich Rickert, lieferte sich mit ihm in den folgenden Jahren so manches Gefecht, da er in der Berufung Jaspers zum Ordinarius den Anfang vom Ende der Philosophie erachtete.
Der Konflikt der beiden ist typisch für die tiefen Gräben zwischen den metaphilosophischen Vorurteilen verschiedener Philosophen.
Während Jaspers Fragen der Sinnerfüllung, der Krisenbewältigung, der Existenzverwirklichung und der Erörterung der Mysterien des Seins in den Mittelpunkt stellte, lehnten viele seiner Kollegen einen solchen „Missbrauch“ der Philosophie entschieden ab.
Denn für viele Philosophen sind allein Fragen der Wissenschaftstheorie, Sprachphilosophie und Logik von Belang für die Philosophie.

Trotz der Verdienste von Jaspers, der nicht nur als Vater der deutschen Existenzphilosophie,

sondern auch als einer der wichtigsten Akteure beim ideologischen Wiederaufbau der deutschen Universitäten gilt, ist er heute nur mehr wenigen bekannt.
Ebenso wenig bekannt ist seine beinahe schicksalhafte Prädestinierung für existenzphilosophische Fragen, die ihm durch seine schwierigen Lebensumstände auferlegt schien. Sein Werdegang war dabei genauso ungewöhnlich wie seine gesundheitliche Konstitution, an der er sein Leben lang schwer litt:
Immer wieder überkam ihn eine lebensbedrohliche Atemnot, die von einer angeborenen Lungenerkrankung herrührte. Sie machte ihm ein normales Berufsleben fast unmöglich und ließ ihn ständig mit dem eigenen Tod rechnen.
Während des 2. Weltkriegs entging er nur knapp der Exekution, da er mit einer Jüdin verheiratet war. Seine Deportation war für den 15. April 1945 vorgesehen. Doch Heidelberg, wo er lebte, wurde am 1. April 1945 von den Amerikanern befreit.

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