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Kidults

„Auf der ganzen Welt lassen sich die Konsumbedürfnisse von Teenagern mit der Kaufkraft Erwachsener verschmelzen.“

Global agierende Konzerne müssen ihre Produkte auch global vermarkten. Das Gesetz der „economies of scale“ verlangt, möglichst einheitliche Produkte in großen Stückzahlen herzustellen, um durch niedrige Kosten hohe Gewinne machen zu können. Deshalb müssen diese auch möglichst einheitlich vermarktet werden. Und dazu brauchen sie eine Sprache, die überall verstanden wird – die Sprache der Kinder.

„Kinder ähneln sich über Kulturgrenzen hinweg viel mehr als Erwachsene“, schreibt Czerwinski.

Daher meint Barber: „Das Erfolgsrezept globaler Ökonomie liegt in einer weltweiten Infantilisierung, einer Verkindlichung der Erwachsenen-Kultur. Durch die vor allem über die Medien realisierte Konstruktion von permanenter Kindheit lassen sich auf der ganzen Welt die Konsumbedürfnisse von Teenagern mit der Kaufkraft Erwachsener verschmelzen.“

Social Media, Kidults

„Sie fühlen sich frei wie Kinder.“

Barber war im Jahr 2000 ein Prophet, als er die Frage aufwarf, ob aus diesem Trend nicht ein neuer Totalitarismus entstehen könne, der auch in die privatesten Bereiche vordringe. Und er meinte, dass dies durchaus mit dem totalitären Herrschaftsanspruch staatlicher oder kirchlicher Herrschaftssysteme vergleichbar sei. Und was haben wir heute, 10 Jahre später? Social Media wie Facebook, Twitter und wie sie alle heißen, durch die der Bürger (oder heute besser Verbraucher) diesen Anspruch sogar freiwillig zulässt. Indem er sich zum Opfer macht und dem Überwachungsstaat die Arbeit abnimmt, weil er sich sozusagen selbst überwacht.

Aber: „Die Freiheit gerät somit in Gefahr durch den Missbrauch von Freiheit. Dabei spüren die Menschen diesen Vorgang überhaupt nicht. Sie fühlen sich nicht unfrei, sondern ‚frei wie Kinder’.“ (!)

Der heutige Mensch hat sich somit selbst in der Falle seiner eigenen, kindlichen Gier gefangen.

Barber vergleicht ihn mit einem Affen, der in eine einfache Falle läuft: In einer verschlossenen Kiste liegen Nüsse. Der Affe greift durch ein enges Loch in der Kiste hinein und nimmt eine Nuss. Dann will er die Nuss herausziehen, merkt aber, dass das mit der geschlossenen Faust nicht geht. Er müht sich und müht sich – auf die Idee, einfach loszulassen, kommt er nicht.

Kind im Überfluss

Man kann dieses Verhalten auch beim heutigen Menschen feststellen. Die Umwelt wird zerstört, alle „wollen“ etwas dagegen tun, aber es passiert genau das Gegenteil: es wird immer schlimmer. Auf den einfachen Gedanken des verantwortungsvollen Verzichts kommt hingegen niemand. Meiner Ansicht nach sind wir als Gesellschaft schon so tief im Konsumwahn gefangen, dass wir es uns gar nicht mehr vorstellen können anders zu leben.

Der Mensch ist der Herrscher der Welt, nicht ihr Ausbeuter.

Die Philosophie ruft die Menschen, also auch Sie, liebe Leserin und lieber Leser dazu auf, sich der eigenen Verantwortung wieder bewusst zu werden. Der Mensch ist der Herrscher der Welt, nicht ihr Ausbeuter. Herrschaft will maßvoll ausgeübt werden, denn ihr Ziel muss es sein, allen die Möglichkeit eines erfüllten Lebens zu geben. Herrschaft ist Verantwortung und fängt immer bei einem selbst an: Sich selbst beherrschen zu können ist eines der wesentlichen Merkmale des Herrschers. Wer sich nicht beherrschen kann, wird schnell zum Tyrannen. Und die Schreckensherrschaft des Konsums durch den Tyrannen „Masse“ ist gerade dabei, die Welt nachhaltig zu zerstören. Dem Philosophen – und jeder Mensch ist im Herzen ein solcher – ist es ein Anliegen, die Tyrannei des Konsums durch die Herrschaft der Vernunft zu ersetzen. Er kann so die Welt für unsere Nachkommen möglichst rein und unverschmutzt erhalten.

Kidults

Der Weg von Kidults zu Adults führt unter anderem über die Mäßigung.

Wenn es die Eigenschaft des Kindes ist alles sofort haben zu wollen und zu rebellieren, wenn es das nicht bekommt, dann zeichnet sich der Erwachsene dadurch aus, dass er vernünftig abwägen und sich selbst beherrschen kann. Er lässt sich nicht mehr vom Wunsch und dem daraus resultierenden Wahn leiten, sondern von der Notwendigkeit und der damit einhergehenden Vernunft. Oder ist es nicht schön, durch ein Einkaufszentrum zu gehen und, wie einst Sokrates, aus innerer Überzeugung sagen zu können:

„Ich gehe gerne durch diesen Markt, denn dann freue ich mich immer darüber, wenn ich sehe, was ich alles nicht brauche.“

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