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Konfuzius

Ist gute Erziehung in der heutigen Zeit Mangelware? Warum definiert man gutes Benehmen als stumpfsinnige Etikette? Weshalb quälen Großeltern ihre Enkelkinder, indem sie ihnen Knigges Stilfibel schenken? Oder ist nicht doch gutes Benehmen in Form von Höflichkeit ein Ausdruck innerer moralischer Reife und Hochachtung?

Von der Höflichkeit sagt der französische Philosoph Comte-Sponville, sie sei die erste Tugend, vielleicht der Anfang aller Tugenden und doch mit zweifelhafter Reputation. Sie sei eine schöne Form und Ausgangsbasis für einen formvollendeten Inhalt. Ein wirklich höflicher Mensch wird jemand aufgrund einer entsprechend guten Erziehung, die den Menschen das Beste in sich zur Geburt bringen lässt.

Konfuzius – jeder muss bei sich selbst beginnen!

Im 6. vorchristlichen Jahrhundert lebte in China Meister Kong, heute bekannt als Konfuzius. Als philosophischer Lehrer zog er durch die Lande, nachdem er bereits eine Laufbahn als Beamter hinter sich hatte. Wir finden bei ihm das Bild des Edlen Menschen, genannt Djün Dse oder Junzi. Als archetypischen Menschen werden diesem Edlen bestimmte Eigenschaften zugeschrieben:

Liebe/Mitmenschlichkeit

Konfuzius

Sie ist die höchste der Tugenden und gleichzeitig deren Grundlage. Sie äußert sich in Verhaltensweisen wie Höflichkeit und Verlässlichkeit. So benötigt der Edle zunächst die Selbstbildung, d.h. die Entwicklung der Tugend in sich selbst. Wird er Meister über sich selbst und stellt die hohen Werte der Tugenden über die eigenen persönlichen Wünsche, kann er seinen Mitmenschen mit Güte = Mitmenschlichkeit = Liebe begegnen.

Rechtschaffenheit

Diese Tugend ist eine Verhaltensweise, die nicht von persönlichen Beweggründen, sondern von höheren Werten geleitet wird. Von der Sittlichkeit ist sie kaum zu unterscheiden. Konfuzius sagt:

„Der Edle steht der Welt ohne Zustimmung und Ablehnung gegenüber. Es ist die Rechtschaffenheit, an die er sich hält.“

Sittlichkeit

Konfuzius

Zur Sittlichkeit gehört die Befolgung der Sitten und Riten. Die Sitten und Riten dienten in China dazu, das gemeinschaftliche Leben zu regeln und in der Gesellschaft eine Ordnung aufrechtzuerhalten. Man dachte, dass die Sitten ein Element wären, das zum Frieden und Harmonie eines Staates beitrug. Viele der Riten galten als heilig. Konfuzius forderte deshalb auf, an ihnen festzuhalten, da sie den Menschen von den Göttern gesandt wären.

Weisheit

Die Tugend der Weisheit steht in enger Beziehung mit dem Lernen in konfuzianischem Sinne. Sie bedeutet Wissen und Charakterbildung, wobei der Charakterbildung das größere Gewicht zukommt. Der Edle überprüft beständig seine Einstellung und sein Verhalten. Vor allem weiß er mit seinem Wissen umzugehen.

„Wisse um das, was du weißt. Gib nicht das als Wissen aus, was du nicht weißt. Das ist Weisheit.“

Vertrauenswürdigkeit

KonfuziusEinem Menschen, der nicht das tut, was er sagt, kann man nicht vertrauen. Es braucht Vertrauen in jeder menschlichen Verbindung, vor allem auch zwischen Herrschaft und Volk.

Kant und sein kategorischer Imperativ: Sapere aude!
Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.

Kant (1784-1804 – Deutschland, Königsberg) wollte kein Moralprinzip erfinden. Der kategorische Imperativ, das Sittengesetz, ist etwas, dem wir nicht folgen müssen, aber folgen sollten. Mit der praktischen Vernunft kann der Mensch als Entscheidungsinstanz sein Leben und letztlich jenes der Allgemeinheit gestalten. Es ist das Sittengesetz, das entscheidet, was gut ist. Gut ist letztendlich der „sittliche Wille“. Sittlich ist nur, was der Forderung des der Vernunft entspringenden Sittengesetzes gemäß ist, vorausgesetzt, dass es nur aus Achtung vor demselben, nicht aus Eigennutz, Neigung u. dgl. erfolgt. Somit kommt es auf die innere Einstellung eines jeden Einzelnen an.

Der kategorische Imperativ lautet wie folgt:Konfuzius

  1. Handle nur nach derjenigen Maxime, durch die du zugleich wollen kannst, dass sie ein allgemeines Gesetz werde.
  2. Handle so, als ob die Maxime deiner Handlung durch deinen Willen zum allgemeinen Naturgesetz werden solle.
  3. Handle so, dass du die Menschheit sowohl in deiner Person als auch in der Person eines jeden anderen jederzeit zugleich als Zweck, niemals bloß als Mittel brauchtest.
  4. Handle so, dass der Wille durch seine Maxime sich selbst zugleich als allgemein gesetzgebend betrachten könne.
  5. Handle so, als ob du durch deine Maxime jederzeit ein gesetzgebendes Glied im allgemeinen Reich der Zwecke wärest.

Die Freiheit des Menschen ist nach Kant die Möglichkeit, über sich selbst zu bestimmen. Dies funktioniert, wenn der Mensch sich seines Verstandes selbständig bedient. Gründe, die dagegen sprechen, sind die Feigheit und die Faulheit des Menschen. Der Mensch besitzt eine Urteilskraft, die jedoch nicht gelehrt, sondern nur ausgeübt werden kann. Das Denken des Menschen ermöglicht ihm zu handeln.

Knigge: Höflichkeit, nicht Etikette!

Konfuzius

Knigge (1752-1796 – Deutschland) war viel mehr, als wir uns von ihm gemeinläufig vorstellen. Als politischer Aktivist, Freimaurer, Jurist und Buchautor, blieb von ihm letztlich doch nur das Bild eines Benimm-Papstes.
Ab 1773 war er in diversen Freimaurerlogen tätig, sein späterer Deckname war „Philo“. 1788 erschien die erste Ausgabe seines wohl bekanntesten Werkes „Über den Umgang mit Menschen„. Gedacht war es als eine Art Aufklärungsschrift für Taktgefühl und Höflichkeit im Umgang mit den Generationen, Berufen und Charakteren. Der Ton des Buches ist der eines erfahrenen, reiferen Menschen, der seinen Leser auf alle Eventualitäten des Lebens vorbereiten möchte. Die Kapitel heißen u.a. „Strebe nach  Vollkommenheit, aber nicht nach dem Schein der Vollkommenheit“, „Sei, was du bist, immer und ganz“, „Respektiere dich selbst, und habe Zuversicht zu dir selber“. Es geht also vor allem um Selbsterziehung und Authentizität, also nicht nur um den äußeren Schein und den guten Ton.

Knigge sagt:

„Handle selbständig!“

„Verleugne nicht Deine Grundsätze, Deinen Stand, Deine Geburt, Deine Erziehung; so werden Hohe und Niedere Dir ihre Achtung nicht versagen können.“

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