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Pythagoras

Mathematik als Weg zur Weisheit

Bei Pythagoras war die Mathematik die Wissenschaft schlechthin. Die Studierenden wurden „Mathematiker“ genannt. Dieser Begriff umfasste viel mehr als heute. „Mathesis“ heißt eigentlich „Wissen“ und war der Weg zur Weisheit. In dieser tiefen Mathematik stellt die Zahl eine Idee, einen Archetyp dar. Das Gesetz, das den ganzen Kosmos regiert, ist Eins. Die Übereinstimmung zwischen Mikro- und Makrokosmos, zwischen Mensch und Kosmos zeigte Pythagoras anhand von Übereinstimmungen von mathematischen Verhältnissen in verschiedenen Bereichen der Schöpfung.

  • Im Mittelpunkt seiner Lehre stand die Zahl. Er sah in den Zahlen das eigentliche Geheimnis und die Bausteine der Welt. Jede Zahl von 1 bis 10 hat ihre eigene Kraft und Bedeutung. Die Harmonie der Welt beruht darauf, dass alles in ihr nach Zahlenverhältnissen geordnet ist. Pythagoras verwendete als erster den Begriff „Kosmos“ (griechisch: Ordnung, Weltordnung).
  • Von besonderer Bedeutung ist die Zehn, die „mystische Dekade“. Die grundlegende Formel der pythagoreischen Zahlenreihe ist die Tetraktys. Man versteht darunter die ersten vier natürlichen Zahlen, beziehungsweise ihre Summe: 1 + 2 + 3 + 4 = 10. Aus dieser Formel entfaltet sich die Schöpfung. Die Tetraktys stellt Begriffe, Kräfte, Wesenheiten dar. Grafisch wird sie als gleichschenkliges Dreieck aus zehn Punkten dargestellt. Die Tetraktys gilt als Schlüssel zur Erkenntnis der Natur, des Universums und des Göttlichen Selbst.

Pythagoras

Platon (427-347 v. Chr.) sagte: „Die Weisen lehren, dass Himmel und Erde, Götter und Menschen Gemeinschaft zusammenhält und Freundschaft, Ordnungssinn, Mäßigkeit und Gerechtigkeit, und darum nennen sie das Ganze Kosmos (d.h. Ordnung) …“ Platon gab ein Vermögen aus, um ein Manuskript von Pythagoras zu erwerben. Wir finden in Platons Werken sehr verwandte Gedanken: den Einfluss der Musik auf die Seele („Der Staat“), die archetypische Rolle der Mathematik in der Kosmogonie („Timaios“) und den Einfluss der Musik auf die Seele („Phaidon“).

Mathematik, Musik und Heilkunst

diese drei Künste und Wissenschaften sind miteinander verbunden. Harmonie ist durch die Proportionen ein konkret messbarer Faktor. Bei Pythagoras heißt es:

„Die irdische Musik ist Abbild und Spiegel der himmlischen Musik, die zu hören nur wenigen Ohren möglich ist.“

Pythagoras

Pythagoras soll diese Musik mit seinem inneren Ohr gehört haben. In gewissem Sinn war Pythagoras also auch Musiktherapeut: Durch das Erklingen geeigneter Harmonien konnte eine seelische und körperliche Gestimmtheit gefördert werden. Die Pythagoreer nannten das, was durch die rechte Musik hervorgerufen wird, „Reinigung der Seele“, darauf beruhte ihre Heilkunst.

Spährenharmonie

Es ist bekannt, dass Pythagoras von der Sphärenharmonie sprach, die im Kosmos ertönt. Dies ist nicht nur poetisch zu verstehen, sondern auch physikalisch. Anhand eines Monochords wies Pythagoras nach, dass in der Musik in der sogenannten Obertonreihe ganzzahlige einfache Proportionen bevorzugt werden. Dieselben Proportionen finden sich auch im ganzen Kosmos, z. B. kreisen die Planeten unseres Sonnensystems nach mathematischen Proportionen in ihren Umlaufbahnen. Der Astronom Johannes Kepler (1571-1630) bewies dies in seiner „Weltharmonik“, worin er auch seine berühmten drei Gesetze der Planetenbewegungen mathematisch formulierte. Im 20. Jahrhundert griffen die Musikwissenschaftler Hans Kayser und Rudolf Haase die Proportionenlehre in ihrer „harmonikalen Grundlagenforschung“ wieder auf.

Seelenwanderung

Pythagoras vertrat die Seelenwanderung, durch die der Mensch die Gelegenheit hat, die Vollkommenheit zu erlangen. Das Ziel des Lebens ist, die Seele durch Reinigung vom Kreislauf der Wiedergeburt zu erlösen, was durch Selbstdisziplin und Genügsamkeit erreicht wird.

Philosophie ist Liebe zur Weisheit

Pythagoras

Das Ideal von Pythagoras war die Liebe zur Weisheit, die Philosophie. Er soll als Erster den Begriff Philosoph geprägt haben. Er selbst bezeichnete sich bescheiden „nur“ als Liebender der Weisheit und nicht als sophos, als Weiser.

Selbsterkenntnis und Erkenntnis des Kosmos, Harmonie zwischen Philosophie und Naturwissenschaft ist das Erbe dieser legendären Gestalt des alten Griechenlands. Ein Erbe, das für uns eine Alternative zum widerspruchsvollen Zustand unserer zivilisatorischen Gegenwart sein könnte.

Von Pythagoras können wir lernen, unser Bewusstsein weiterzuentwickeln und schöpferisch einzusetzen und dadurch die Menschheit in ihrer Entwicklung auf eine neue Stufe zu heben.


Interessiert, wie Pythagoras Lehre die moderne Wissenschaft beeinfusste? In unserem nächsten Veranstaltung werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse des 20. Jh.  für Laien nachvollziehbar dargestellt und in Hinblick auf die Auswirkungen auf unser Welt- und Menschenbild diskutiert.

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