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Achtung! Bevor Sie weiterlesen, seien Sie gewarnt: Wenn Sie sich wirklich mit Resilienz beschäftigen, kann es sein, dass Sie Ihr Leben nicht mehr so weiterführen können wie bisher. Sie müssen womöglich damit rechnen, so manche gewohnte Lebenshaltung in sich als bloße Ausrede zu enttarnen und gewohnte Einstellungen über Bord zu werfen…
Die Dinge sind nicht so, wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht. Jean Anouilh

Was ist Resilienz?

Wie reagieren Sie auf unerwartete Geschehnisse oder Dinge, die Ihr gewohntes Leben durcheinanderbringen? Nehmen Sie die Dinge konstruktiv an oder weichen Sie aus? Ziehen Sie die Decke über den Kopf oder werden Sie anklagend? Sind Sie leicht entmutigt oder resignieren Sie etwa? Jeder neigt zu anderen „Bewältigungsstrategien“, positiven wie negativen. Sie hängen ab von Erziehung, vergangenen Erlebnissen, aber immer und in erster Linie von uns selbst. Sie zeigen eine Art Lebenshaltung, Grundeinstellung, die jeder Mensch mitbringt und die er auch im Leben erwirbt bzw. verändert. Die Summe der konstruktiven Haltungen, wie man Veränderungen oder Krisen begegnet, nennt man Resilienz. Resilienz kann man wörtlich übersetzen mit Elastizität. Eine andere Definition lautet „psychisches Immunsystem“. Ein Bild zur Resilienz liefert der Bambus, der von Schnee bedeckt ist. Im Unterschied zu einem starren großen Baum wird der Bambus von der Last des Schnees gebeugt, der starre Baum nicht. Wenn die Last zunimmt, können die Äste des unnachgiebigen Baumes brechen, der elastische Bambus wird sich so weit beugen, bis er die Last abwirft und dann wieder emporschnellen. Resilienz ist also die Kraft, Widerstände auf sich zu nehmen und sich durch sie konstruktiv zu verändern. Es ist die Lebenshaltung, die erfolgreiche Menschen kennzeichnet. Die Ursprünge der Resilienzforschung liegen in den 1970ern. Wissenschaftler untersuchten in Hawaii über Jahrzehnte Kinder aus sozial benachteiligten Schichten. Über 40 Jahre beobachteten die Psychologen Emmy Werner und Ruth Smith Kinder, in deren Familien Gewalt, Armut und niedrige Bildungsstandards vorherrschten. Dabei stellte sich zum Erstaunen vieler heraus, dass sich ein Drittel der Kinder hervorragend entwickelte, unabhängig der negativen Umstände. Diese Kinder kennzeichnete stets eine bestimmte Lebensstrategie, an Widerständen nicht zu zerbrechen, sondern zu wachsen. In Studien zeigte sich, dass es nicht die Krisen oder Lebensumstände sind, die darüber entscheiden, ob ein Leben gelingt, sondern die Art und Weise, wie diesen Umständen begegnet wird. Resiliente Menschen zeichnet eine Kombination gewisser Grundhaltungen aus, die in drei Punkte gegliedert werden können:

1. Optimismus

Wenn Sie vor einer schwierigen Aufgabe stehen, woran denken Sie? An die eigene Unvollkommenheit oder die negativen Konsequenzen im Falle des Scheiterns? Oder an den Reiz des Neuen, an die vielen Probleme, die Sie schon gelöst habencund die Wichtigkeit bzw. den Sinn der Aufgabe? Optimismus ist dann eine wertvolle Eigenschaft, wenn er die Schwierigkeiten nicht ausblendet. Er ist keine einseitige Selbst- oder Situationsüberschätzung. Realistischer Optimismus ist die Überzeugung, dass in nahezu jeder Schwierigkeit ein verborgener Gewinn steckt, den es zu finden gilt. Der Optimismus zeigt sich einerseits in einem positiven Weltbild und andererseits in einem positiven Selbstbild. Resiliente Menschen glauben an die Welt und an sich selbst. Diese Lebenseinstellung trifft eher bei gläubigen Menschen zu als bei Atheisten, weshalb auch der Glaube bzw. die Spiritualität in vielen Studien ein wiederkehrendes Merkmal resilienter Menschen war.
Mitten im Winter habe ich erfahren, dass es in mir einen unbesiegbaren Sommer gibt. Albert Camus

Woran erkennen Sie fehlenden Optimismus?

  • Einseitige Sprache, welche die negative Seite betont: ,,Die Zeiten werden schlechter und schlechter.“ ,,Nach der Sonne kommt immer Regen.“
  • Verallgemeinerungen: Man schließt von einer oder wenigen Situationen auf die Gesamtheit: ,,Die Jugend heute ist furchtbar.“ ,,Es gibt keine Gerechtigkeit.“ ,,Alles ist verloren.“ …
  • Persönliche Zuschreibungen und selbsterfüllende Prophezeiungen: ,,Das passiert nur mir!“ ,,Ich wusste, dass das bei mir nicht klappt.“
Fehlender Optimismus ist wie eine Brille, die jede Situation einfärbt. Um die graue Brille abzulegen, muss man zuerst einmal bemerken, dass man sie trägt. Wer sie dann ablegen möchte, sollte immer wieder auf die eigenen Gedanken und Worte achten. Statt zu verallgemeinern, nur die Tatsachen zum Ausdruck bringen und negativen Gedanken immer wieder einen positiven entgegenstellen. Und nicht zu vergessen – alle Dinge nicht zu ernst zu nehmen und überall einen Tropfen Humor dazuzugeben, gemäß dem Spruch: ,,Die Lage kann hoffnungslos sein, aber nicht ernst“. Resilienz

2. Akzeptanz

Alle Dinge geschehen aus Notwendigkeit. Es gibt in der Natur kein Gutes und kein Schlechtes. Spinoza
Wie reagieren Sie, wenn die Dinge nicht so laufen, wie Sie es sich erwarten? Wie gehen Sie mit Niederlagen um? Menschen mit wenig Optimismus blenden oft die positiven Seiten einer Sache aus, während Menschen mit wenig Akzeptanz die Schwierigkeiten und Hindernisse nicht wahrhaben wollen. Resiliente Menschen wissen, dass es beständigen Fortschritt ohne Rückschläge nicht gibt. Sie akzeptieren Rückschläge als natürlichen Teil jeder Entwicklung, ohne aber in eine Passivität zu verfallen. Vielfach sind es genau die Rückschläge, die langfristig wichtiger sind als die Erfolge, da sie wichtige Erfahrungen liefern.

Woran erkennen Sie fehlende Akzeptanz?

  • Ungeduld: Gerade erfolgreiche Menschen neigen dazu, die nötigen Schritte und Zeiträume zur Verwirklichung eines Zieles nicht zu akzeptieren.
  • Mangelnde Fehlerkultur: Wenn ein Klima herrscht, in dem Fehler nicht passieren „dürfen“, entsteht viel Druck. Das wiederum bewirkt eine gefährliche Vermeidungshaltung, Risiken auszuweichen und lediglich die leichteren Wege zu gehen.
  • Verdrängung: Vor allem bei großen Schwierigkeiten kann eine Bewältigungsstrategie darin bestehen, diese Dinge auszublenden.
  • Hadern über Vergangenes: Wer sich mit 50 immer noch ärgert, weil er das falsche Studium gewählt hat, vergeudet viel Energie.
Akzeptanz zu haben bedeutet zu erkennen, dass es im Leben wie in der Natur die kerzengeraden Wege nicht gibt. Auch ein Fluss wählt nicht den schnellsten Weg, sondern schlängelt sich in Kurven voran, umspült Steine und Hindernisse, die ihn zwar womöglich etwas aufhalten, aber auch dabei helfen, sein Wasser zu reinigen.

3. Lösungsorientierung

Wofür verwenden Sie mehr Zeit: für das Nachdenken über Probleme, Misserfolge, Kränkungen oder für das Suchen nach Lösungen? Das Versinken in Problemen lässt erstarren, während die Suche nach deren Lösung den Blick nach vorne öffnet. Der Psychotherapeut Steve de Shazer geht davon aus, dass jede Situation verborgene Lösungen enthält, die es (wieder) zu finden gilt. Dies deckt sich mit der östlichen Idee des Karmas, das nicht Strafe, sondern eine Lernaufgabe ist. Vielfach findet man aber nicht oder nicht sofort die optimale Lösung. Es gilt also, einmal Teillösungen anzunehmen und anzugehen. Gemäß dem Spruch: „Der Weg entsteht, indem man ihn geht.“ Wer etwas will, sucht Wege, wer etwas nicht will, sucht Gründe.

Wie erkennt man mangelnde Lösungsorientierung?

  • Sich als Opfer fühlen: Wer die „Schuld“ immer im Außen sucht, sei es beim Chef, bei den Mitarbeitern, den Eltern oder wem auch immer, gibt seine eigene Verantwortung ab und ist somit auch nicht lösungsorientiert. Denn die anderen zu ändern liegt nicht in unserer Macht, wohl können wir aber selber etwas zur Lösung einer Sache beitragen.
  • ,,Da gibt es nur eine Lösung“. Diese Aussage beschneidet andere Optionen.
  • ,,Das ist nur ein Tropfen auf den heißen Stein“: Wer das Perfekte will, schließt kleine Lösungen aus, die den Weg zu größeren Lösungen bahnen könnten.
Kreativ nach Lösungen zu suchen, ist eine Angelegenheit beider Gehirnhälften. Nur das rationale Abwägen ist oft zu wenig. Hören Sie auf Ihre innere Stimme, inspirieren Sie sich an einem Bild, an der Natur, seien Sie offen für die Lösung, die auf Sie wartet und irgendwann unvermutet im Bewusstsein auftaucht.

Den Weg der Resilienz gehen

Diese drei Grundhaltungen sind ein Ausgangspunkt, kein Endpunkt. Sie können noch durch weitere Haltungen und Fähigkeiten ergänzt werden. Resilienz ist wie ein Training im Fitnessstudio. Wenn wir unsere Muskeln trainieren, werden sie immer stärker. Ebenso ist es bei der Resilienz. Dieses Training ist – solange man lebt – nie abgeschlossen.

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