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Symbol

Man unterscheidet drei Ebenen.

Aus heutiger philosophischer und anthropologischer Sicht wird das Symbol generell unter die Idee des Zeichens eingeordnet, wobei man drei Ebenen unterscheidet:

  1. Das Zeichen an sich, wie zum Beispiel mathematische Zeichen, oder die Notenschrift in der Musik oder auch Verkehrszeichen. Das Zeichen ist dadurch definiert, dass der Zusammenhang zwischen dem sichtbaren Bild und seiner Bedeutung willkürlich ist. Ein „P“ steht für Parken, ein auf dem Kopf stehendes Dreieck für negativen Vorrang, usw.
  2. Die nächste Ebene ist die Allegorie. Diese dient dazu, eine abstrakte Idee sichtbar zu machen. Beispielsweise die Gerechtigkeit, lat. Iustitia. Sie wurde im Bild einer Frau mit verbundenen Augen, Schwert und Waage zusammengefasst. Eine solche Allegorie erschließt sich uns durch eine Reihe von Interpretationsschritten: was bedeuten die verbundenen Augen, die Waage, das Schwert?
  3. Bei der dritten Ebene, dem Symbol, ist diese interpretierende Arbeit nicht notwendig. Das Symbol lässt seine unsichtbare Bedeutung unmittelbar erahnen. Die Waage steht für „Abwägen“, für „ausgleichende Gerechtigkeit“, das Schwert für „Kampf “ und „Urteilsvollstreckung“. Die Bedeutung ist unmittelbar im Symbol angelegt, das Symbol ist also nicht willkürlich. Weder ein Schaukelstuhl noch eine Friedenstaube können Symbole für den Kampf sein. Zeichen sind austauschbar, Symbole stehen mehr oder weniger fest.

Schon Goethe unterschied in seinen „Maximen und Reflexionen“ das Symbol von der Allegorie.

Für ihn ist das Symbol eine „aufschließende Kraft“, die „im Besonderen das Allgemeine und im Allgemeinen das Besondere darzustellen vermag“.

„Die Symbolik verwandelt die Erscheinung in Idee, die Idee in ein Bild, und so, dass die Idee im Bild immer unendlich wirksam und unerreichbar bleibt und, selbst in allen Sprachen ausgesprochen, doch unaussprechlich bliebe.“

Das Symbol besitzt demnach eine unendliche Bedeutungsfülle. Und diese ist nicht rational und kann sogar widersprüchlich sein. Feuer kann zum Beispiel für Geist, Erkenntnis, Schöpfung, Transformation, das Göttliche aber auch für Blenden, Zerstörung oder Krieg stehen. Niemals kann ein Bild den gesamten Inhalt darstellen, aber immer ist das Symbol ein Mittler zwischen der sinnlichen Welt und den dahinter verborgenen Ideen, zwischen dem Sicht- und dem Unsichtbaren.

Symbol

Für C.G. Jung enthält jedes Symbol einen „Archetypus als unanschaulichen, aber energiegeladenen Bedeutungskern“. Symbole werden für Jung nie bewusst ersonnen, sondern vom Unterbewussten produziert, worauf auch seine Traumpsychologie aufbaut. Die Sprache unserer Träume ist eine Symbolsprache, eine Sprache unseres Unbewussten und sogar eines kollektiven Unbewussten, das heißt diese Sprache ist universell. Zu diesem Schluss gelangt auch Erich Fromm: er nennt die Symbole die „Universalsprache der Menschheit“, die in allen Kulturen und zu allen Zeiten gleich ist. Der moderne Mensch jedoch hat diese Sprache verlernt, und sie ist nur noch in unseren Träumen vorhanden.

Woher also kommen die Symbole? Von nirgendwo! Vielmehr sind sie schon im Menschsein angelegt. Alles wird zum Symbol, dort wo der menschliche Geist die dahinter liegende Bedeutung erfasst, die gesamte Natur, auch wir selbst sind ein Symbol, all unser Erleben ist ein Symbol, sobald wir den Sinn dieses Erlebten begreifen.

Wozu brauchen wir Symbole?

Die Sinnfunktion des Symbols wurde schon erwähnt. Ohne symbolisches Denken können wir den Dingen keinen Sinn verleihen. Zum Beispiel unseren Krankheiten: obwohl sogar unsere Sprache diesbezüglich voller Symbole ist, wie …

  • die Nase voll haben
  • das geht mir an die Nieren
  • etwas liegt mir im Magen
  • die Galle geht mir über

… haben wir verlernt, was Krankheiten uns symbolisch zu sagen versuchen. Indem wir die Krankheiten mit Tabletten aus der Welt schaffen und schließlich auch den Tod negieren, begreifen wir auch das Leben nicht mehr. Denn erst die Integration von Krankheit und Tod gibt unserem Leben einen tieferen Sinn.

Sobald wir an unseren Tod denken, denken wir an den Sinn unseres Lebens.

Mittels des symbolischen Denkens lösen wir uns vom rein oberflächlichen äußeren Schein der Dinge und erfassen ihre innere Bedeutung und Wirklichkeit: ein äußeres Achselzucken erkennen wir als innere Ratlosigkeit, ein Geschenk als Zuneigung, einen Unfall als Zeichen, dass ich zu schnell in meinem Leben unterwegs bin.

Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte.

Symbole haben aber auch eine große Bedeutung als Kommunikationsmittel. Nicht umsonst heißt es „ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“. Manchmal ist das Überreichen einer Blume mächtiger als tausende Erklärungen, das Reichen einer Hand oder eine Umarmung stärker als hunderte Ratschläge. Symbole sind die eigentliche Sprache des Menschen. Die alten Sprachen sind voll von Sprichwörtern und blumigen, symbolischen Bildern. Unsere Sprache ist sehr technisch geworden und an festen Begriffen orientiert. Symbole sprechen in jedem Menschen andere Bilder an, werden aber von jedem auf seiner Ebene verstanden. Worte dagegen führen gerade durch ihre Eindeutigkeit zu häufigen Missverständnissen. Die Symbolsprache umfasst neben dem Rationalen auch das Emotionale und das Mysterium. Eine der berühmtesten Predigten Buddhas bestand einfach darin, seinen Zuhörern eine Blume zu präsentieren, ohne ein einziges Wort zu sprechen.

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