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Symbol

Das Absinken der Symbole.

Diesen Ausdruck finden wir beim großen Religionsphilosophen Mircea Eliade in seinem Werk „Die Religionen und das Heilige“. Er führt dabei das Symbol der Perle an, die ursprünglich eine magisch-religiöse Bedeutung hatte. Als „vom Wasser geboren“ und auch „vom Mond geboren“ (Atharva Veda), außerdem in der Muschel, dem weiblichen Symbol schlechthin, herangereift, hat die Perle in allen Kulturen eine große Bedeutung für die Frau. Sie wird als Amulett für das Glück in der Liebe, für Fruchtbarkeit und das Gebären verwendet. Auch beim Totenkult spielt sie daher eine Rolle. In der Medizin wurde die Perle zu einem wichtigen Heilmittel vor allem bei Melancholie, Epilepsie und Wahnsinn. Wie man sieht, alles Krankheiten, die einen Zusammenhang mit dem Mondischen aufweisen.

Schließlich jedoch sinkt das Symbol der Perle in den Aberglauben ab, wie zum Beispiel, dass man sie nicht schenken solle, da sie Tränen bringen würden, oder verkommt zu einer rein ästhetisch-ökonomischen Bedeutung.

Aus unseren Festen schwindet mehr und mehr das Wissen um ihre Bedeutung.

Dieses Absinken der Symbole lässt sich auch bei all den eingangs erwähnten Beispielen feststellen. Über 80% unserer Kinder sprechen bei Weihnachten nur noch von den Geschenken, der Christbaum ist ein Schmuckstück und Süßigkeitenlieferant. Und auch der Osterhase dient als reiner Geschenkebringer, als Fruchtbarkeitssymbol und Kulttier der germanischen Frühlingsgöttin Ostara (deren Symbol übrigens außerdem das Ei als Keimzelle des Lebens ist) ist er kaum noch bekannt.

Mit dem Absinken der Symbole verlieren sich das Heilige und das Mysterium aus all unseren Lebensbereichen. Zurück bleibt das rein Profane, das Wirtschaftliche, bestenfalls das Soziale und das Ästhetische. Feste haben nur noch einen gesellschaftlichen Wert, sie stellen eine sinnlose Tradition dar. Damit verbindet sich der Mensch nicht mehr mit dem kosmischen Geschehen, die Zeit wird nicht mehr als ein ewiges zyklisches Geschehen erlebt, in dem man sich permanent erneuert, sondern nur noch als ein sanduhrartiges Davonrinnen, in dem man stetig altert. Mit dem Verlust des symbolischen Denkens gehen dem Menschen Sinn und Bedeutung seiner Existenz verloren. Der Mensch verliert das Menschliche. Er wird funktional, mechanisch und automatisch.

Eine notwendige Rückkehr der Symbole.

Da letztlich alles symbolisch ist, lassen sich Symbole auch nicht verbannen. Doch möchte ich hier eine bewusste Unterscheidung vornehmen zwischen den natürlichen Symbolen als „Universalsprache der Menschheit“ (Erich Fromm), und den künstlich und bewusst vom Menschen geschaffenen Symbolen, die das Wissen um das Unbewusste im Menschen zweckorientiert nützen. Politisch hat wohl kein System die Macht der Symbole so sehr benützt und missbraucht wie der Nationalsozialismus.

Dieser Missbrauch wirkt bis heute in einer Art Symbolphobie nach. Aber auch 9/11 ist ein politisch instrumentalisiertes Symbol, das uns die unsichtbare Terrorgefahr allgegenwärtig macht. In unseren heutigen, sogenannten Demokratien sind bewusst instrumentalisierte Symbole allgegenwärtig. Der als erster Spin-Doktor bezeichnete Edward Bernays (ein Enkel Sigmund Freuds) sagt dazu in seinem Buch „Propaganda“:

„Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft.“

Bernays verstand es, das ganze Wissen um die unbewussten Kräfte im Menschen zu nützen, und daraus die moderne Werbe- und PR-Industrie zur Geburt zu bringen – unterstützt durch die neuen Möglichkeiten der Massenmedien. Damit gelang es ihm unter anderem, die Amerikaner zum Eintritt in den Ersten Weltkrieg zu bewegen.

Gerade unsere Unbewußtheit dem Symbolischen gegenüber macht uns so anfällig für die Manipulation durch instrumentalisierte Symbole.

Notwendig ist also eine bewusste Rückkehr zum symbolischen Denken. Da es in unseren Bildungssystemen von einem einseitigen Intellektualismus überlagert ist, müssen wir uns wohl selbst behelfen. In unzähligen Büchern und Filmen begegnen wir modernen Mythen mit ihrer Symbolsprache (zum Beispiel „Herr der Ringe“). Große Psychologen, Philosophen und Religionswissenschafter wie Ernst Cassierer, C. G. Jung, Mircea Eliade, Erich Fromm, Joseph Campbell u.v.a. haben das Tor zu den Symbolen als Universalsprache der Menschheit wieder geöffnet. Auch das Magazin „Abenteuer Philosophie“ vermittelt die Rubrik „Symbolik“ einen Zugang dazu.

Doch dieser Zugang steht jedem offen: in der Sonne, die jeden Tag die Welt in Licht und Wärme taucht, im Feuer, das entgegen der Schwerkraft immer nach oben strebt, im Wasser, das nach jedem aufwühlenden Sturm wieder sein inneres Gleichgewicht findet. Können wir wie dieses Wasser, wie dieses Feuer, wie diese Sonne sein?

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