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Optimismus

2014 fand das erste Forum für Optimismus in der Pariser Ratsversammlung für Wirtschaft, Soziales und Umwelt statt. Von buddhistischen Mönchen bis zu Wissenschaftler aus der Psychoanalyse und der Psychiatrie, wie zum Beispiel Matthieu Ricard und Alain Braconnier war die Veranstaltung als Versuch gedacht, alle positiven Energien zu bündeln.

Seit einigen Jahren zeigen Umfragen, dass viele Menschen kollektiv beunruhigt und hoffnungslos in die Zukunft blicken, während sie auf der individuellen Ebene trotzdem das große Lebensglück suchen und auch Vertrauen in ihre eigene Zukunft haben. In Bezug auf sich selbst sind sie Optimisten, kollektiv treiben sie ein masochistisches Spiel. Sie machen systematisch ihr Land bzw. Europa schlecht und stecken andere damit an. Gemäß der Tradition von Descartes, wie um ihre Intelligenz zu beweisen – fühlen sie sich dazu verpflichtet, kritisch und misstrauisch und unglücklich bis zum Äußersten zu sein.
Seit den europäischen Wahlen, die bei vielen mehr Angst als Freude auslösten, werden wieder die „politischen Eliten des Landes“ infrage gestellt. Was ist jetzt zu tun? Manche verlieren sich in Depressionen und anderen träumen irre Fantasien von einer nostalgischen Rückkehr in eine überholte Vergangenheit.

Ohne die Schwierigkeiten leugnen zu wollen, sollten wir wieder lernen, uns kollektiv unserer Kräfte bewusst zu werden. Sie sind die Trumpfkarten und unsere Hoffnung und umgeben uns ständig – zu unserem eigenen Erstaunen.

Der Optimismus ist die Kraft, die uns individuelles und kollektives Handeln erlaubt

Optimismus

Der Optimismus ist die Kraft, die uns individuelles und kollektives Handeln erlaubt, um aus der Sackgasse der Machtlosigkeit herauszukommen. Zu glauben, dass die Dinge sich bessern können, ist kein Zeichen von Naivität oder Schwachsinn, sondern die Fähigkeit, nicht zu resignieren. Das verlangt, Würde zu zeigen und sich den Prüfungen und Herausforderungen zu stellen.
Diese Idee hat erstmals der Philosoph Leibniz (1646 – 1716) geäußert, geprägt vom Glauben an die Evolution der Dinge und des Menschen. Wohlgemerkt, es geht nicht darum, in die verquere Vorstellung zu verfallen, dass „alles gut sei“ oder dass man in der „besten aller Welten“ lebe – ein Gedanke, den Voltaire angesichts der Leiden der Existenz wie eine Beleidigung betrachtete.

Der Glaube an einen Sinn und ein Ziel unterstützt den Optimismus. Doch, wie Frankreichs Optimismusexperte Philippe Gabillie sagt, kann der Optimismus auch eine weltliche Angelegenheit sein,

„eine Vision der Welt, die sich mit dem Alltäglichen beschäftigt“.

Sie braucht nicht zwingend eine theologische Finalität, sondern eine menschliche, sei sie nun individuell oder kollektiv. Hier geht es darum, die Dinge besser zu machen und selbst besser zu werden.
Ohne zu idealisieren: Optimist zu sein bedeutet, in gewisser Weise ein Ideal zu haben, eine Vision der Welt, eine Vision von sich und anderen, für die man seine Energie mobilisiert. Und woraus kann man diese Energie schöpfen, wenn nicht aus dem Optimismus?

„Der Optimismus ist eine Energie: sicher zu sein, dass Lösungen möglich sind und dass wir handeln können.“

Man muss lernen, die Situationen zu akzeptieren, ohne unter ihnen zu leiden, und sie mit den Mitteln lösen, die zur Verfügung stehen, und nicht mit denen, die man sich wünscht oder auf die man wartet – sei es die Gnade Gottes oder weitere Geldmittel.

Dr. Segerstrom, Professorin für klinische Psychologie in Kentucky und andere Forscher bestätigen, dass Optimisten sich eher den Problemen stellen, als dass sie die Arme hängen lassen oder gar die Flucht ergreifen. Sie arbeiten vielmehr einen Aktionsplan aus, nehmen Ratschläge an und konzentrieren sich auf die Lösungen. Sie verdoppeln ihre Kräfte, anstatt bei der ersten Niederlage aufzugeben. Aus missglückten Versuchen ziehen sie konstruktive Lehren.

Den Pioniergeist wieder finden

Optimismus

Alle Pioniere beweisen es: In der Geschichte gibt es genügend Beispiele von Menschen, die mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln erfolgreich waren. Heute müssen wir den Pioniergeist wieder finden, um eine neue und bessere Welt zu bauen. Wir müssen wieder freie Menschen werden, die nicht von der Sichtweise anderer abhängig sind, sondern ihrem eigenen Gewissen folgen.

Ein Hinderniss für diese aktive Haltung ist das übertriebene Bedürfnis nach Sicherheit und das Misstrauen, nämlich „der ganzen Welt zu misstrauen“. Aber man kann auch vorsichtig und vertrauensvoll sein.
Die ewig Misstrauischen können nichts und niemandem vertrauen. Es ist ihnen furchtbar peinlich, wenn ihnen jemand Vertrauen schenkt. Aber wie soll man ohne Vertrauen in die eigene Zukunft erfolgreich sein?

Optimismus
Wird man vielleicht im Laufe des Lebens misstrauisch? Früher einmal haben wir geglaubt, uns genau zu kennen und eines Tages hat uns das Leben gezeigt, dass wir uns getäuscht haben. Und dann ziehen wir uns stolz zurück, anstatt einfach die Ent-Täuschung anzunehmen und uns von nun an besser zu kennen. Wir nehmen eine skeptische und misstrauische Haltung an. Wir weigern uns, uns der Realität zu stellen. So verlieren wir unsere Freiheit, obwohl wir uns völlig frei wähnen. Wir haben keine Antwort auf die Frage: „Wohin gehe ich?“ Die Zukunft wird düster. Dies gilt für den Einzelnen und für ganze Völker und Nationen.

Wir müssen also unseren Optimismus wiederfinden, damit sich unsere individuelle und kollektive Energie wieder entfalten kann. Und wir müssen uns mit unserer eigenen Seele und mit der Seele unseres Landes verbinden.

„Die Zukunft hat mehrere Namen:
Für die Schwachen heißt sie ‚Das Unmögliche’.
Für die Ängstlichen heißt sie ‚Das Unbekannte’.
Für die Denker und die Mutigen heißt sie ‚Das Ideal’.“

(Victor Hugo in einem Vortrag am 24. Februar 1854)

About The Author

Ist Philosoph, Schriftsteller, Berater und Dozent in der Wirtschaft. Er studierte Philosophie und Kunstgeschichte an der Universität in Buenos Aires, war Dozent an der Universität Lyon III und emeritierter Professor-Dozent an der USAL Universität in El Salvador. Er absolvierte sein Studium der Anthropologie und Ägyptologie an der National Technical Education Schule, Luis A. Huergo in Buenos Aires. Als Anthropologe widmet er sich seit 40 Jahren der Erforschung der symbolischen Strukturen der antiken aber auch der modernen Gesellschaften. Er leitete viele Jahre die Abteilung für religiöse Anthropologie an der Schule für Anthropologie in Paris. Er ist Autor zahlreicher Werke über die Philosophie alter Zivilisationen. Sein Forschungsschwerpunkt gilt Ägypten. Er führt jährlich Studienreisen nach Ägypten und wirkte an mehreren Dokumentarfilmen mit, darunter „Ägypten entschleiert“. Als Autor verfasste er über zwanzig Bücher, die in ein Dutzend Sprachen übersetzt wurden. Er verbrachte mehr als 30 Jahre mit dem Studium die symbolischen Strukturen der traditionellen und modernen Gesellschaften. 1973 gründete er die Kulturorganisation Neue Akropolis in Frankreich.

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