Auf den Hund gekommen …

Auf den Hund gekommen …

Hund

Hund oder Katze? Bei der Wahl des Haustiers spielen für Zuneigung oder Abneigung neben der emotionalen Ebene – vielleicht unbewusst – auch symbolische Aspekte eine Rolle.

Der Hund wurde bereits vor vielen Tausend Jahren domestiziert und begleitet seitdem die Menschen.
Biologisch gehören Fuchs, Kojote, Schakal und Wolf zur gleichen Gattung wie der Haushund. In Mythen wird nicht immer zwischen wildem oder domestiziertem Hund unterschieden wird. Der Hund folgt dem Willen des Rudelführers, ohne eigene Unterscheidungsfähigkeit zu zeigen. Deshalb symbolisiert er Freundschaft, Treue und Loyalität bis hin zur Unterwürfigkeit, weil er nicht gegen seinen Herren rebelliert.

In der nordischen Mythologie wird Gott Odin von den beiden Hunden Geri und Freki begleitet, die er gegen seine Feinde hetzt. Ihre Namen bedeuten „der Gierige“ und „der Gefräßige“. Je nach Beziehung zum „Herren“ eines Hundes wird eine Person vom Hund als Freund oder Feind betrachtet.

DIE ZWEI SEITEN

Der Hund markiert eine Grenze. Es gibt für ihn nur gegensätzliche Seiten: Freund oder Feind. Entweder Teil der Herde oder Eindringling. Entweder als Fährtenfinder Wege öffnen oder als Wächter Zugänge blockieren. Schon im alten Rom wurden Warnschilder geschrieben: „Cave canem – Vorsicht vor dem Hund!“. Der Mensch mit seinem Verstand nutzt diese polare Sicht, kann sie aber auch durchbrechen.

DER HUND UND DIE NACHT

In allen Kulturen steht der Hund mit der Nacht und Aspekten des Todes in Beziehung. Es ist die physische Nacht, aber auch symbolisch die psychologische Nacht oder Dunkelheit gemeint, also Situationen und Zeiten, in denen der Mensch Unsicherheit und Furcht empfindet, weil er Gefahren in der Finsternis nicht erkennt. Der Hund ist wach und nachtaktiv. Nach der chinesischen Einteilung des Tages in zwölf Doppelstunden liegt die Stunde des Hundes zwischen 19 und 21 Uhr. Hier in der Dämmerung und Grenze zwischen Tages- und Nachtenergie ist der Hund wach. Er schaut, dass die Herde ein sicheres Nachtlager hat und sich die Familie im geschützten Haus versammelt.
Im Winter leuchtet am Nachthimmel in der Nähe des Sternbilds Orion der Stern Sirius, in dem die griechische Mythologie einen Hund verortet. Wenn Sirius jedoch morgens knapp vor der Sonne aufgeht, bringt er sommerliche Hitze – man nennt diese Zeit „Hundstage“.

DER HUND UND DIE UNTERWELT

In der griechischen Mythologie bewacht der mehrköpfige Hund Kerberos den Eingang zur Unterwelt, damit kein Verstorbener in das Reich der Lebenden zurückkehrt. Die gleiche Aufgabe hat in der nordischen Mythologie der Hund Garm.
Der Hund bewacht den Übergang beider Welten in beide Richtungen. Manch einem Helden gelingt es jedoch mit List diesen Wächter abzulenken. Bei den Azteken nimmt der Gott Quetzalcoatl die Gestalt eines Hundes oder Kojoten an, denn nur so kann er die Proben der Unterwelt bestehen.

DER HUND ALS FÜHRER

Die Eigenschaft, bei Tag oder Nacht Wege zu finden und Fährten zu verfolgen, macht den Hund zum Symbol, den Menschen nicht nur im Leben, sondern auch im Tod zu begleiten. Weltweit finden sich Mythen, in denen die körperlosen Seelen der Verstorbenen durch einen Hund in die jenseitige Welt geführt werden. Im Hinduismus kennt man den Himmlischen Hund und im alten China den Himmlischen Wolf, die beide die Seelen der Verstorbenen geleiten oder tragen.


Im alten Ägypten ist es der hundeköpfige Gott Anubis, der die Seele des Verstorbenen bis zum Totengericht im Jenseits mit der Wägung des Herzens geleitet. Ein islamischer Hadith besagt, dass Engel kein Haus betreten, in dem sich ein Hund oder ein Abbild eines Hundes befindet. Auch gilt der Hund als unrein und darf nicht zu den Menschen ins Haus. Es mag sein, dass sich das ursprünglich nicht auf einen physischen Hund bezogen hat, sondern auf die Absicht, die Götzenbilder des alten Glaubens aus dem Haus zu verbannen, damit der Glaube an die Engel als Beschützer und Führer der Seelen keine Konkurrenz hat.


HUND IST NICHT GLEICH HUND

Es gibt Jagdhunde, die beim Rennen kläffen, um das Wild zu hetzen, es gibt Suchhunde, die schweigend Spuren suchen und erst beim Erreichen des erlegten Tiers bellen. Es gibt Hütehunde, die es im Blick haben, die Herde ruhig und zusammen zu halten. Und es gibt Wachhunde, die aufmerksame Beobachter sind. Sie lassen den Freund passieren und vertreiben den Feind. Es gibt Spezialhunde, die mit ihrem Gehör im besonderen Maße Worte der Menschensprache verstehen, um als Assistenzhund, Blindenführhund oder Rettungshund zu dienen. Es gibt Schoßhunde, die lebendes Spielzeug und Wärmflasche sind.

Wer sich einen Hund zulegt, entscheidet nicht nur nach Aussehen oder Charakter des einzelnen Tiers, sondern bewusst oder unbewusst auch für oder gegen eine dieser Gruppeneigenschaften und deren Symbolik. Doch unabhängig davon, für welchen Hund sich der Mensch entscheidet, er wird immer einen treuen Kameraden bis in den Tod gewonnen haben.

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe Nr. 178 des Magazins Abenteuer Philosophie veröffentlicht.