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Held

Heute ist es nicht mehr „in“, ein Held zu sein

Heldengeschichten sind etwas für Bücher oder Filme. Doch das Leben gibt uns viele Beispiele von Heldentum. Es handelt sich dabei um die kleinen Helden des Alltags, die große Heldentaten mit fast unmenschlich scheinender Anstrengung vollbringen, obwohl sie selbst nur „gewöhnliche“ Menschen sind. Jeder Mensch hat sein eigenes Maß. Jeder Einzelne sehnt sich danach, sich zu verbessern, sich zu verändern, die Welt ein klein wenig anders zu verlassen, als er sie vorgefunden hat – im Namen einer natürlichen Philosophie.

Philosophie im klassischen Sinn

HeldDer grundlegende Unterschied zwischen Philosophie im klassischen Sinn und der heutigen Philosophie, die mehr einer mentalen und verbalen Übung gleichkommt, kann nicht oft genug hervorgehoben werden.

Nur wenige wagen es heute, sich Philosophen zu nennen. Das Studium der Philosophie beschränkt sich auf eine Wiederholung der verschiedenen Denkrichtungen, der Autoren, die sie vertreten und die eine oder andere Polemik über die Gültigkeit der einen oder anderen Theorie und des einen oder anderen Autors. Der heutige Philosoph ist, wie viele andere auch, ein guter Sammler, ein Archivar von Ideen innerhalb des chronologisch bekannten historischen Rahmens, ein Kritiker, ein Vortragender oder ein Autor, der sein Wissen zusammenfasst.

Wie gesagt sehen nur wenige in der Philosophie eine Lebensform und daher auch eine Form zu handeln. Nur wenige haben den Mut und die Charakterstärke, frei zu denken und ihre Gedanken in aller Offenheit auszudrücken. Diese wenigen Ausnahmen pflegen nach wie vor die Philosophie im klassischen Sinn, eine ganzheitliche Philosophie. Mit ihrer tiefen Einsicht ist sie in der Lage, alle Aspekte des Lebens zu beleuchten und darüber hinaus Lösungen für die menschlichen Probleme des Lebens zu suchen.

Die vorhin erwähnte Philosophie als mentale und verbale Übung ist innerhalb ihrer Grenzen positiv. Doch der Mensch ist viel mehr als nur Verstand und Sprache, die diese Gedanken mehr oder weniger klar ausdrücken. Aus der klassischen, traditionellen Sicht genügt es nicht, den Menschen einfach als rationales Wesen zu definieren, dessen Verstand ihn von den Tieren, Pflanzen und Steinen unterscheidet. Wenn dem so wäre, hätte der Mensch die Gefühle, die Vitalität und den Körper, der ihm als „Fahrzeug“ dient, nicht mehr nötig. Aber die menschliche Natur drückt sich durch vielfältige Aspekte aus und diesen allen müssen wir ihren Platz geben und sie intelligent koordinieren.

Held

Deswegen beziehen wir uns auf eine ganzheitliche Philosophie, die den gesamten Menschen erfasst und ihm hilft, alle seine Möglichkeiten zu entwickeln und zu harmonisieren. Eine Philosophie, die es uns erlaubt, uns selbst, unser Leben und das Universum, dessen Teil wir sind, besser kennenzulernen.

Der Philosoph braucht „Schlüssel zur Handlung“, um jeder Situation und Erfahrung begegnen zu können, Schlüssel, die die Philosophie zur Verfügung stellt, sobald sie lebendig und allgemeingültig wird. Und wenn sie auch nicht alle Probleme lösen kann, so hilft sie zumindest zu wissen, was ein Problem ist, die Rätsel zu erkennen, die Schmerzen zu ertragen und mit ihnen leben zu lernen. Der Rest ist eine Frage der Praxis. Es ist Aufgabe jedes Einzelnen, den Philosophen in sich zu erwecken, ihm das geeignete Wissen und die wunderbare Kunst des Lebens näher zu bringen.

Das Misstrauen

Neben den vielen Krankheiten, die die bereits angegriffene Gesundheit der Menschen zerstören, gibt es psychische Krankheiten, die zwar subtil sind, aber deswegen nicht weniger Schaden anrichten als die rein physischen.

  • Das Misstrauen ist ein wachsendes Gift innerhalb unserer Gesellschaft. Es zerstört jede Form des Zusammenlebens, angefangen von komplexen großen und politischen Gruppen bis hin zur Familie und zu einfachen persönlichen Beziehungen.
  • Das Misstrauen hat weder etwas mit reiner Böswilligkeit noch schlechten Absichten zu tun. Im Gegenteil, das Misstrauen unterstellt den anderen die schlechte Absicht, was leider allzu oft von der Realität bestätigt wird.
  • Es zeigen sich dabei zwei völlig entgegengesetzte Positionen: Das absolute Vertrauen und das absolute Misstrauen, die jedoch beide zu ähnlichen Ergebnissen führen.

Der Vertrauensvolle

HeldDer Vertrauensvolle geht davon aus, dass die ganze Welt gut ist, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist. Ein solcher Mensch sammelt meist einige sehr schöne Erfahrungen, denn seine eigene Wesensart zieht ähnlich Denkende und Handelnde an. Aber er erfährt auch große Enttäuschungen, die ihn dazu zwingen, das Leben aus der Perspektive des „fressen oder gefressen werden“ zu sehen. Er muss zahlreiche Schläge und Tiefschläge einstecken, und obwohl er nicht an diesem System teilnehmen will, sieht er plötzlich nur noch die Möglichkeit, Schläge auszuteilen oder sie einzustecken.

Der Misstraurische

Held, AngstIm Gegensatz dazu erspart sich der Misstrauische einige schmerzhafte Erfahrungen, verpasst dafür aber viele andere Gelegenheiten, Positives zu erleben. Er geht davon aus, dass die ganze Welt schlecht ist, solange nicht das Gegenteil bewiesen ist. In ihm gewinnt das Gesetz von „fressen und gefressen werden“ die Oberhand, das darin besteht, zu verletzen oder davor zu fliehen, verletzt zu werden.

Zusammengefasst

Es sind entweder alle gut oder alle schlecht, bis das Gegenteil bewiesen ist … Aber Tatsache ist, dass es viel leichter ist, klares Wasser zu verschmutzen, als trübes Wasser zu klären: Das Misstrauen verschmutzt alles, und nur schwerlich wird dieses Wasser wieder klar. Es verunreinigt und beeinträchtigt die Handlungen oder beginnt sie falsch zu beurteilen, was jenem gleichkommt, der versucht, im schlammigen Bach sein Spiegelbild zu sehen.

About The Author

Ist derzeit internationale Präsidentin der internationalen Organisation Neue Akropolis für Philosophie, Kultur und Volontariat. Sie graduierte am Nationalen Musikkonservatorium in Buenos Aires in Klavier und Komposition sowie in Philosophie und absolvierte zusätzliche Ausbildungen für Naturwissenschaften, Publizistik und Journalismus.
Sie hat zahlreichen Artikeln in Zeitschriften und Zeitungen zu Themen der Philosophie, Musik, Geschichte und Kultur im Allgemeinen veröffentlicht und mehr als dreißig Bücher und Handbücher über Praktische Philosophie, Psychologie, Alte Zivilisationen, Astrologie, usw. verfasst.
Als Pianistin und Schriftstellerin ist sie außerdem Chefredakteurin des spanischen Kultur- und Philosophiemagazins „Esfinge“ (zu dt. „Sphinx“). Seit vielen Jahren ist sie als Dozentin für Symbologie, Psychologie, Geschichte der Religionen, Ästhetik, Metaphysik, Anthropologie, usw. tätig.
Als Anerkennung ihrer Arbeit als Direktorin von Neue Akropolis wurde sie 1980 mit der Silbermedaille für Kunst, Wissenschaft und Literatur von der Academic Society for Education and Encouragement, akkreditiert durch die Académie Française, ausgezeichnet.

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