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Stress

Schon mal was von Sabbatical, Downshifting, LOVOS, Lessness oder Eubiotik* gehört? Nicht? Dann gehören Sie wohl entweder zu den wenigen Exoten, die nicht hoffnungslos im alltäglichen Stress ihrer Arbeit untergehen, oder Sie haben so viel zu tun, dass Sie sich noch keine Gedanken über die faszinierende Welt der Aussteiger und Alternativen gemacht haben.

Das Leben wurde uns nicht verliehen, um ganz im Streben nach dem aufzugehen, was wir zurücklassen müssen, wenn wir sterben.

Stress – was für ein schreckliches Wort, eng verknüpft mit blank liegenden Nerven, schweißnasser Stirn und schmerzendem Rücken. Und doch: es klingt auch irgendwie vertraut, hat einen Beigeschmack von Erfolg, Sprüngen auf der Karriereleiter und Gehaltserhöhungen. Niemand möchte unter Stress stehen, aber wer keinen hat, fühlt sich dann doch irgendwie ausgegrenzt. In einer unter der Wirtschaftskrise stöhnenden Gesellschaft zuzugeben, dass man selbst eigentlich keinen Stress habe, führt automatisch zu argwöhnischen Blicken, die in einem das unweigerliche Gefühl hervorrufen, ein Faulenzer, ein Schmarotzer der Gemeinschaft zu sein. Schnell sucht man nach irgendeiner Entschuldigung, findet aber keine Erklärung dafür, dass man trotz des Arbeitslosenheeres, das vor den Türen steht, nicht zu einer 70-Stunden-Woche verurteilt wurde. Hie und da ein „Burn-out“ gehört zum guten Ton und die Anzahl der Bandscheibenvorfälle wird als eine Art Trophäe stolz vor sich hergetragen.

Stress

Fehlende Augenringe oder gar eine sichtbare Dunkelung des Teints sind für jeden Arbeitgeber unleugbare Zeichen dafür, dass hier massiver Bedarf an Faulheitsbekämpfung besteht, am besten durch Halbierung der Belegschaft. „Rattenrennen“ wird es genannt oder auch „Hamsterrad„, dieses sich immer schneller drehende Karussell der Arbeitswelt. Schneller und schneller, wild blinkend und lärmend hat es den Menschen in eine rasende Gefängniszelle gezwängt. Zeit ist Geld, aber wo bleibt die Zeit, um dieses Geld auch auszugeben?

„Chef, wir müssen reden. Da mache ich nicht länger mit!“

Was ist denn das? Plötzlich tauchen Menschen auf, die sich einfach ausklinken; die sich um keine gesellschaftlichen Konventionen kümmern, denen egal ist, was der Nachbar denkt, die einfach das Leben genießen oder ihm einen anderen Sinn verleihen wollen. Frei nach dem Text von Gert Steinbäcker von STS: „Doch bevor der Herzinfarkt mich mit 40 in die Windeln prackt …“ ziehen sie einen Schlussstrich unter ihr bisheriges Leben und sagen der nimmersatten Wirtschaftswelt ade.

Ein Jahr einfach weg.

Stress

Durch die Welt reisen, die Seele baumeln lassen oder für immer eine andere Lebensform annehmen. Hier gibt es die unterschiedlichsten Ausprägungen. Natürlich bedeutet das einen gewissen Verzicht, aber vielleicht braucht man dann ja gar nicht mehr so viel.

Reich ist nicht, wer viel hat, sondern wer viel zu geben hat

heißt es. Oder wie Seneca gesagt haben soll: „Geld hat noch niemanden reich gemacht.“ Auch Sokrates soll beim Gang über den Markt von Athen gemeint haben:

Wie zahlreich sind doch die Dinge, derer ich nicht bedarf!

Von Diogenes ganz zu schweigen. Manche Zeitgenossen ziehen daraus eine radikale Konsequenz und kehren dem Konsumwahn völlig den Rücken zu. Wie zum Beispiel der Herr Öff!Öff!, ein sogenannter Schenker (auch wenn „Beschenkter“ wohl viel eher passen würde), der mitten im mecklenburgischen Dargelütz nur von dem lebt, was die Natur und die Menschen ihm schenken. Sogar seinen bürgerlichen Namen hat er abgelegt und er verbringt die Tage mit seiner Freundin „Tü!Tü!“ in einem geschenkten Haus, in dem jeder willkommen ist, der ein Dach über dem Kopf sucht. Andere wiederum gehen lieber auf Reisen. So wie Gabi und Christian Hajek, die mit 43 ihren Job gekündigt, alles verkauft haben und seitdem über alle Kontinente radeln, fremde Kulturen kennenlernen, ihre Sichtweisen erweitern. Angeblich haben sie diesen Schritt in vielen Jahren der Wanderschaft nicht bereut.

Alternativen?

Stress

Gibt es nur Hamsterrad oder Insel?

Was kann ich tun, wenn ich weder in der Tretmühle eines aufreibenden Jobs mein (verfrühtes) Ende finden noch in Zukunft nur noch mit Palmblättern bekleidet ein Urwalddasein fristen möchte? Auch die Möglichkeit der „inneren Emigration“, bei welcher sich trotz fleißiger Arbeit im Äußeren das Bewusstsein aber in Wirklichkeit ganz woanders befindet, ist keineswegs erstrebenswert.

Was wäre jedoch, wenn wir zu eben dieser unserer Arbeit eine andere Einstellung entwickeln würden?

Wenn wir Arbeit nicht länger als „Fluch“ betrachten, die das Gegenteil von dem schönen Leben unserer Freizeit ist, sondern die eine Chance darstellt, um neue Fertigkeiten zu entwickeln und jeden Tag besser zu werden? Hierbei kommt es gar nicht so sehr auf die Tätigkeit an sich, sondern viel mehr auf meine Herangehensweise an.

  • Wenn ich mich nicht von der Routine verschlucken lasse, sondern jede meiner Handlungen so gut ich kann durchführe,
  • mit dem Wunsch, mich zu perfektionieren und
  • dem Bewusstsein, dass ich auf diese Weise Teil eines größeren Ganzen bin, dann kann ich überall das Besondere und Faszinierende entdecken.
  • Produktiv zu sein, einer schöpferischen Tätigkeit nachzugehen, ist ein Urbedürfnis des Menschen.

Schlimm ist, wenn erdrückende und monotone Arbeitsbedingungen, ein vergiftetes Arbeitsklima etc. dazu führen, dass man die Minuten bis Feierabend zu zählen beginnt und fluchtartig den Arbeitsplatz verlässt. Freilich ist es oft schwierig, die perfekte Arbeit zu finden, aber zumindest die Freizeit kann jeder so gestalten, wie er möchte.

Stress

Gerade das Thema des Volontariats ist heute in aller Munde. Immer mehr Menschen nutzen ihre Zeit außerhalb der Arbeit dafür, sich mit einer nützlichen Tätigkeit in die Gesellschaft einzubringen. Sei es beim Roten Kreuz, bei der Freiwilligen Feuerwehr, Sozial- oder ökologischen Projekten etc. Wenn es um die Missstände der heutigen Zeit geht, weiß jeder gute Ratschläge zur Weltverbesserung, aber wer setzt schon konkrete Handlungen?

Es gibt nichts Gutes – außer man tut es!

Wenn auch Sie, liebe Leserin, lieber Leser, der Meinung sind, dass Ihr Beruf allein nicht die Erfüllung bringt und Sie trotzdem nicht zu der Kommune der „Schenker“ stoßen oder eine Weltreise antreten möchten, dann möchte ich Sie dazu ermutigen, Ihre Kräfte und kreativen Ideen zum Wohle anderer Menschen einzusetzen, in die Welt hinauszugehen und dort anzupacken, wo es nötig und nützlich ist, getreu dem Spruch: „Es gibt nichts Gutes – außer man tut es!“

*Eubiotik: Die Lehre von der rundum gesunden Lebensführung. Aus eubiotischer Perspektive wird eine am Geld ausgerichtete Lebenseinstellung als ein Irrweg angesehen, der die Hauptursache für zahlreiche – besonders psychische – Störungen im individuellen wie auch im gesellschaftlichen Bereich darstellt. Erfüllung und entspannte Lebensfreude werden in wenigen einfachen, meist kostenlosen Dingen und Betätigungen gesucht.

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