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Säule

Der Himmel hält mich – die Erde trägt mich

Säulen und Pfeiler sind nicht nur nützlich. Sie repräsentieren weit mehr als Stärke, Standfestigkeit und Aufrichtigkeit.

Wer mit offenem Blick durch einen alten Laubwald wandert, erkennt in den aufragenden Baumstämmen lebendige Säulen, die durch ihre verbundenen Blätterkronen ein gemeinsames Dach tragen. Etwas Friedliches, Erhabenes und Natur-Heiliges geht davon aus. Und vielleicht richtet sich der Wanderer bewusst oder unbewusst ein wenig mehr auf, um es ihnen gleich zu tun.

Säule, Bäume

Säulen und Pfeiler sind von Menschen errichtete steinerne Abbilder der lebendigen Säulen. Menschen, Bäume und Säulen haben Gemeinsamkeiten: die Standfestigkeit auf der Erde durch Wurzeln, Füße, Fundament und Sockel und den Willen, in die Höhe emporzustreben. Dadurch eine senkrechte Achse zu sein, die in sich selbst ruht und das eigene Gewicht aufgrund innerer Stabilität tragen kann. Am oberen Abschluss ragt das Haupt in den Himmel. Bei den Bäumen nennen wir es Krone. Ist unter einer Krone nicht immer auch ein Kopf?

Kapitelle – Ausdruck von Ideen

Auch die Säulen haben einen Kopf, Kapitell genannt. Dies ist der lateinische Ausdruck für Köpfchen. Der Kopf repräsentiert Gedanken, Ideen oder geistige Prinzipien. So zeigt die Säule im Kapitell ihren Charakter und ihr Wesen. Das Kapitell drückt in der Architektur eine Stilrichtung aus. So unterscheidet man bei Säulen der griechischen Antike dorische, ionische und korinthische Kapitelle.

Kapitelle

Freistehende Säulen in der alten ägyptischen Kultur findet man mit offenen oder geschlossenen Lotus- oder Papyrusblüten. Ist eine Säule der Göttin Hathor gewidmet, zeigt ihr Gesicht in jede der vier Himmelsrichtungen. Bei Pfeilern ist das Kapitell die funktional-ästhetisch gestaltete Verbindung zwischen Säulenschaft und dem Dach.

Die Säule des Hermes

Das griechische Wort für Säule heißt Stele. Heute kennen wir Stelen meist als halbhohe Säulen, auf die etwas gestellt wird, das erhaben präsentiert werden soll. Sei es eine Statue, eine (Blumen-)Vase oder eine (Opfer-)Schale. In der griechischen Frühzeit waren zu kultisch-religiösen Zwecken sogenannte Hermen oder Hermessäulen verbreitet. Es handelte sich um eine Stele, deren Abschluss oben vier Köpfe des Gottes Hermes zeigte, die jeweils in die vier Richtungen des Raumes blicken.

Hermes

Hermes galt als der Beschützer der Wege, Begleiter auf Wanderungen. Also jemand, der sich sowohl in Raum und Zeit auskannte, als auch auf allen Wissensgebieten. Dem Hermes Opfer zu bringen bedeutete, sich für seine Begleitung zu bedanken oder um Rat für den richtigen Weg zu bitten. Auch Einweihungen in okkultes Wissen wurden vollzogen, weshalb an einigen Hermen geheimnisvolle Inschriften überliefert sind.

Den Götterkopf oder eine kleine Götterfigur auf einer Stele emporzuheben, um kultische Zeremonien zu feiern, erfüllte die gleiche Aufgabe wie eine große komplette Statue. In der römischen Zeit setzte man Köpfe von Politikern und Gelehrten auf Stelen. Diese Art der Präsentation kennen wir noch heute als Büste.

Fruchtbarkeit

Djed-Pfeiler

Altägyptische Überlieferungen besagen, dass der Djed-Pfeiler eine aufgerichtete Garbe aus Getreidehalmen darstellt. Er symbolisiert den Fruchtbarkeitsgott Osiris. Die Aufrichtung des Djed oder des Ährenbündels verbindet die waagerechte Linie der Erde mit der senkrechten Linie des wachsenden Getreidehalms. So sollen auch wir Menschen uns immer wieder aufrichten, um lebendig zu bleiben, egal, wie oft das Schicksal uns zu Boden wirft.

Andere Überlieferungen bezeichnen den Djed als ein Symbol für die menschliche Wirbelsäule eines aufrechten, lebenden Menschen, der seine Kräfte bündelt und das innere Gleichgewicht stabil aufrechterhält.

Dass freistehende, aufragende Säulen und Monolithe durch ihren Phallus-Charakter natürlich auch das männliche Prinzip der Fruchtbarkeit ausdrücken können, soll hier nicht unerwähnt bleiben.

Säulen in der Architektur

Säulen und Pfeiler stehen für die Idee der Vertikalität. Sie sind Sinnbild für den Wunsch, sich von der Erde zu erheben und sich senkrecht und gerade aufzurichten. Jeder einzelne Pfeiler steht dabei in sich stabil, jedoch auch mit einer gewissen inneren Elastizität, um seitlichen Kräften widerstehen zu können. Er schafft den Raum, wo Bewegung und der Energiefluss zwischen oben und unten möglich werden.

In der antiken Tempelarchitektur wurde

  • das Dach mit dem Element Feuer in Verbindung gebracht,
  • die Säulen und Pfeiler mit dem Element Luft,
  • die Mauern mit dem Element Wasser und
  • die Plattform mit dem Element Erde.

Gewachsene Säulen

Säule Tropfsteinhöhle

Ein besonderes Phänomen findet man in Tropfsteinhöhlen. Tropfen für Tropfen wächst die Säule von oben aus der Höhlendecke nach unten und von unten aus dem Boden nach oben empor, bis sich beide zu einer massiven Säule vereinen. Schwer zu sagen, wer nun wen hält und stützt. Oder ist es ein Sinnbild für die Dauerhaftigkeit und Stärke durch die kleinen Schritte von gewachsener Verbundenheit?

Säulen und Pfeiler

Als freistehende Säulen kennen wir die in den Himmel ragenden Bauwerke, die einen besonderen Ort markieren, an ein Ereignis erinnern oder kultischen Zwecken unter freiem Himmel dienen. Ein Symbol der unumstößlichen Standhaftigkeit, der Positionierung und Orientierung.

Säulen

Säulen werden Pfeiler genannt, wenn ihre Hauptaufgabe darin besteht, ein Dach oder andere Lasten eines Bauwerks zu tragen und zu stützen. Das können sie nur gemeinsam und das Dach, das sie tragen, schafft diese Verbundenheit. Im architektonischen Verband sind sie ein Symbol für das Tragen einer gemeinsamen Verantwortung. Oder das Teilen einer gemeinsamen Idee, die sowohl die Verbundenheit stärkt als auch die Last gleichmäßig auf jeden Einzelnen verteilt.

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