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Held

Läge im Herzen des Menschen nichts Moralisches, woher käme ihm die begeisterte Bewunderung heldenhafter Taten, die liebende Hinwendung zu den großen Seelen, der Enthusiasmus für die Tugend?

Jean-Jacques Rousseau

Jeder Mensch kann ein Held sein!

Ein Held ist eine Person, die eine besondere, über die normalen menschlichen Grenzen hin:

  • Er handelt nicht nur um seinetwillen, sondern auch aus Liebe zu den anderen,
  • will sich selbst und auch die Welt zum Besseren verändern und
  • kämpft gegen Ungerechtigkeit und hilft anderen.

Der Held zeigt uns, dass das scheinbar Unmögliche möglich ist. Das erfordert Intelligenz, Mut und Bereitschaft zum Risiko. Ein Held ist jemand, der sich durch Tugenden auszeichnet.

Wann und warum ist Moral zum Schimpfwort geworden?

Heutzutage aber ist unmoralisches Handeln fast schon zur Tugend geworden. So geht Susan Neiman in ihrem Buch „Moralische Klarheit“ der Frage nach: Wann und warum ist Moral zum Schimpfwort geworden? Tugend bedeutet heute nicht mehr, sich zu fragen, was man für die Welt getan, sondern was einem die Welt angetan hat. Wir sehen uns als Opfer der Umstände und Ungerechtigkeiten. Heute spricht man mehr über Opfer als über Helden. Es ist notwendig, zu hinterfragen, warum heute die Opferhaltung das Heldenhaft verdrängt hat. Diese Veränderung ist fatal, denn der Held inspiriert uns, moralisch zu handeln.

Held

Beispiele für das Böse finden sich heutzutage viele:

  • IS-Terrorismus und andere Selbstmordattentäter haben schon unzählige Opfer gefordert und verbreiten Angst und Ohnmacht.
  • Es gibt weltweit 30 Millionen Sklaven (auch in Europa z.B. 10.000 Sklaven in Deutschland) und Menschen, die sich in Gewalt von Kriminellen befinden und ausgebeutet und missbraucht werden.
  • Nach Schätzungen der UN werden 150 Millionen Mädchen und 73 Millionen Buben zur Prostitution und Pornografie gezwungen.
  • Die aus Profitdenken resultierende Umweltzerstörung erscheint dagegen als kleineres Übel und ist doch ein großes, bis heute ungelöstes Problem für die Menschheit.

All dies zeigt das Ungleichgewicht, das in unserer Welt herrscht. Die Welt ist voller Ungerechtigkeit und es gibt eine große Kluft zwischen der Welt, so wie sie ist und wie sie sein sollte und könnte.

Helden zeigen uns, wie wir diese Kluft zumindest verkleinern können. Menschen, die gegen die Ungerechtigkeit kämpfen, inspirieren und ermutigen uns, ähnlich zu handeln. So können wir sagen: Moralisches Handeln ist heldenhaft!

Heute versucht man gern, Ziele ohne Anstrengung zu erreichen. Heldenhaft leben bedeutet, Opfer zu bringen und Risiko einzugehen. Heldenhaft handeln bedeutet auch, für seine Überzeugungen Nachteile in Kauf zu nehmen, z. B. die Karriere aufs Spiel zu setzen. Oder sich zwischen humanistischen Idealen und einem „normalen“ Leben zu entscheiden. So hat zum Beispiel die Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi ihr Leben dem Kampf für die Freiheit der Menschen in Burma gewidmet, statt zu ihrer Familie nach England zurückzukehren, um dort ein bequemes Leben zu führen.

Gibt es heute noch Helden?

Held

Susan Neiman erklärt, dass das Wort „Held“ heute inflationär verwendet wird. Jeder Sportler, Filmstar oder Popstar wird als Held bezeichnet und verehrt. Sie können uns vielleicht ein Beispiel dafür sein, was wir in unserem Leben erreichen können, aber sie sind keine Helden.

Menschen, die Gewalt anwenden und Unschuldige töten, wie z. B. Selbstmordattentäter, Terroristen und IS-Soldaten sind erst recht keine Helden, auch wenn sie sich selbst als solche sehen. Sie sind laut Neiman von einem verfehlten Idealismus geleitet. Sie fordert eindringlich:

Wir dürfen unsere stärksten Begriffe wie Held, Ehre und Gut und Böse nicht denjenigen überlassen, die am meisten dazu neigen, sie zu missbrauchen. (…) Wir brauchen Menschen, die ohne den Einsatz von Waffen, ohne Gewalt zu Helden werden.

Bei den Leinwandhelden sind es Figuren wie z. B. Vampire und Wehrwölfe, die „gut“ sind und enorme Fähigkeiten bis hin zur Unsterblichkeit besitzen oder Figuren wie Spiderman, der durch einen Spinnenbiss besondere Fähigkeiten erworben hat. Diese „Superhelden“ vermitteln zum einen das Bild, Held sein ist unerreichbar. Zum anderen lernen wir daraus scheinbar, dass die besonderen Fähigkeiten dem Helden von außen gegeben werden. Entspricht es nicht typisch menschlicher Bequemlichkeit, zu warten, bis die Kraft von außen kommt, ohne sich anstrengen zu müssen?

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