Was kostet Sicherheit?
Sicherheit als Bedürfnis
Sicherheit gehört zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Das zeigte schon der amerikanische Psychologe Abraham Maslow. In dessen berühmter Bedürfnispyramide die sogenannten „Sicherheitsbedürfnisse“ den zweiten Platz (von der Basis aus gesehen) einnehmen.
Die globalen und auch lokalen Krisen der vergangenen Jahrzehnte bis zur Gegenwart zeigen uns auf dramatische Weise auf, welch katastrophale Folgen es hat, wenn die Sicherheit verloren geht.
Inmitten von militärischen Konflikten, politischen Unruhen oder ökologischen Ausnahmesituationen versetzt das Fehlen an Sicherheit die Menschen in ständige Alarmbereitschaft. Dies bringt großen Stress und andere psychische Belastungen mit sich.
Die Frage, ob Sicherheit erstrebenswert ist, scheint damit obsolet – doch zu welchem Preis? Was kostet Sicherheit überhaupt?
Womit kann oder muss man Sicherheit bezahlen? Worauf muss man dafür verzichten?
Wenn beispielsweise die Forderung nach innenpolitischer Sicherheit zu massiven Eingriffen in die Privatsphäre der Bürger führt. Wenn im Namen der Prävention von Kriminalität der öffentliche Raum und die digitale Welt bis in jeden Winkel hinein überwacht und kontrolliert werden. Wo liegt da die Grenze, hinter der Sicherheit zu einer Bürde wird? Und inwiefern verlieren wir dabei uns selbst, unsere eigene Identität?
„Wagen ist, einen Augenblick den Halt zu verlieren. Nicht wagen ist, sich selbst zu verlieren.“
Søren Kierkegaard
George Orwell beschrieb in seiner berühmten Anti-Utopie 1984 bereits vor über 70 Jahren eine Welt, in der die Menschen nicht einmal mehr in ihren eigenen vier Wänden Privatsphäre erleben konnten, weil zum Wohle der Sicherheit jeder Haushalt überwacht wurde.
Im Gegensatz zum orwellschen „Televisor“ können wir unsere technischen Geräte zwar ausschalten – doch übermitteln viele vermutlich mehr Informationen, als uns lieb ist.
Andererseits muss, wer von jeder Überwachung frei und unkontrolliert leben will, auch wiederum einen Preis dafür zahlen: den Preis des Risikos, das in Situationen der Unsicherheit unvermeidlich ist.
Wie so oft im Leben hat auch die Medaille der Sicherheit zwei Seiten – jede zu ihrem Preis. Bleibt noch die Frage: Wann ist der Preis zu hoch?
Was meinen Sie?
