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Leben und Tod

fügen sich für Rilke in das Mysterium eines Ganzen, in dem der Tod nur „die uns abgekehrte, von uns unbeschienene Seite des Lebens ist.“
„Die wahre Lebensgestalt reicht durch beide Gebiete, das Blut des größten Kreislaufes treibt durch beide: Es gibt weder ein Diesseits noch ein Jenseits, sondern die große Einheit, in der die uns übertreffenden Wesen, die Engel, zu Hause sind.“
Und der Dichter ist Bote zwischen den Welten, öffnet unsichtbare Türen:

„Rühmen, das ists! Ein zum Rühmen Bestellter,
ging er hervor wie das Erz aus des Steins
Schweigen. Sein Herz, o vergängliche Kelter
eines den Menschen unendlichen Weins.

Nie versagt ihm die Stimme am Staube,
wenn ihn das göttliche Beispiel ergreift.
Alles wird Weinberg, alles wird Traube,
In seinem fühlenden Süden gereift.

Nicht in den Grüften der Könige Moder
straft ihm die Rühmung Lügen, oder
daß von den Göttern ein Schatten fällt.

Er ist einer der bleibenden Boten,
der noch weit in die Türen der Toten
Schalen mit rühmlichen Früchten hält.“

Unmittelbar nach Vollendung der Sonette berühren die dunklen Schwingen der Engel den immer noch tief aufgewühlten Rilke.
„Denn das Schöne ist nichts als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen, und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht, uns zu zerstören. Ein jeder Engel ist schrecklich.“
Rilke steigt jetzt tiefer als jemals zuvor ein deutscher Dichter, Hölderlin vielleicht ausgenommen, in den offenen Raum der Transzendenz, in das Unberechenbare, Unheimliche und Dunkle.
Die Duineser Elegien sind reine Mystik und Metaphysik, vermittelt in höchster Sprachgewalt:

„Und wir: Zuschauer, immer, überall,
dem allen zugewandt und nie hinaus!
Uns überfüllts. Wir ordnens. Es zerfällt.
Wir ordnens wieder und zerfallen selbst.

Wer hat uns also umgedreht, daß wir,
was wir auch tun, in jener Haltung sind
von einem, welcher fortgeht? Wie er auf
dem letzten Hügel, der ihm ganz sein Tal
noch einmal zeigt, sich wendet, anhält, weilt –,
so leben wir und nehmen immer Abschied.“

DAS ENDE – ROSE UND TOD

Rose

Nach Vollendung dieser Werke erkrankt Rilke an Leukämie. Selbst sein Tod ist Metapher: er schneidet Rosen, seine Lieblingsblumen, um eine schöne Besucherin zu beschenken, sticht sich an den Dornen und zieht sich schwere Infektionen an beiden Händen zu. Er kommt in die Klinik, wo er nach mehreren qualvollen Wochen stirbt. Hier wird er zum „Schüler des Todes.“
Früher hat er einmal geschrieben, seine Arbeit habe den Auftrag, „die Einheit von Leben und Tod vorauszusetzen, damit sie sich uns nach und nach erweise.“ Jetzt als Sterbender lebt er diese Wahrheit und schreibt als Letztes in sein Tagebuch:

„Komm du, du letzter, den ich anerkenne, heilloser Schmerz im leiblichen Geweb: wie ich im Geiste brannte, sieh, ich brenne in dir; das Holz hat lange widerstrebt, der Flamme, die du loderst, zuzustimmen, nun aber nähr’ ich dich und brenn in dir.“

Begraben liegt Rilke auf dem hoch gelegenen Friedhof der Kapelle von Baron. Wind und Licht hat sich Rilke für seine letzte Ruhestätte ausgesucht. Und er gibt uns ein letztes Geheimnis auf mit einem unauslöschlichen Gedicht, das er in die Pforte zur Unendlichkeit gemeißelt hat. Auf seinem Grabstein steht geschrieben:

„Rose, oh reiner Widerspruch, Lust, Niemandes Schlaf zu sein unter soviel Lidern.“

WAS LERNEN WIR VON DIESEM UNVERGLEICHLICHEN DEUTSCHEN DICHTER?

Rilke - Lesen

Verpflichten wir uns kraftvoll mit unseren Talenten dem eigenen Schicksal! Haben wir Mut zum Anderssein!
Dafür muss man auch Einsamkeit aushalten. Es gibt Momente, in denen die Zeit sich wendet. Dann kann man Teil einer Veränderungsbewegung sein.
Schätzen wir den Wert des Innenlebens. Es muss ein Leben lang geübt und gepflegt werden.
Seien wir offen für die Mysterien des Lebens und für die Engel unseres Schicksals!
Lernen wir zu leben und zu sterben!

„Nirgends, Geliebte, wird Welt sein, als innen. Unser Leben geht hin mit Verwandlung. Und immer geringer schwindet das Außen.“


In diesem Onlinevortrag beschreibt unser Autor Helmut Müller die spirituellen Wege und Erfahrungen des großen deutschen Dichters. Rilke lehrt uns den Mut zum Anderssein, den Wert des Innenlebens und den Weg der Kunst als wahre Religion. In Momenten, da die Zeiten sich wenden, können Rilkes Gedanken Inspiration für eine positive Veränderung sein.

About The Author

Helmut Müller, Rechtsanwalt, Jahrgang 1964, hat in München Rechtswissenschaften und Philosophie studiert. Außerdem ist er ausgebildet als Psychotherapeut, astrologischer Lebensberater sowie im Core-Schamanismus. Seit 30 Jahren ist er ehrenamtlich in der Erwachsenbildung, - Beratung und als Coach tätig zu den Themen Philosophie, Astrologie und Schamanismus.

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