Enthusiasmus ist unverzichtbar …

Enthusiasmus ist unverzichtbar …

Enthusiasmus

… er hält die Welt instand.
Cornelis Verhoeven (1928 – 2001)

Warum wir alle gerade jetzt Enthusiasmus brauchen und wie Sie ihn für sich selbst aktivieren können.

„Begeisterung ist wie Dünger für das Gehirn“, sagt Gerald Hüther. „Das Gehirn ist lebenslang lernfähig. Dabei kommt es immer wieder zu Umbauprozessen, bei denen neue Vernetzungen im Kopf entstehen.“ Diese Umbauprozesse gelingen jedoch nur, wenn die emotionalen Bereiche im Gehirn aktiv sind. Kleine Kinder erleben 20- bis 50-mal täglich Begeisterungsstürme, einen rauschartigen Zustand, bei dem die neuronalen Netzwerke stimuliert werden. Alles Erlebte und Erfahrene wird im Gehirn verankert. Viele Erwachsene erleben dieses Freudenfeuerwerk vermutlich nur ein- bis fünfmal täglich.

ENTHUSIASMUS IST GESUND

Nicht nur das, Enthusiasmus fördert zudem die Lernbereitschaft, steigert die Kreativität und verbessert das emotionale Wohlbefinden. Dazu erhöht er die Resilienzfähigkeit, senkt das Stresshormon Cortisol, stärkt das Immunsystem, ist günstig für die Herzgesundheit und für ein längeres Leben. Ebenso haben begeisterte Menschen stärkere soziale Bindungen und sind mit ihrer Umwelt gut vernetzt und verbunden.
Viele gute Gründe, dieses Thema in der Lebenskunst zu durchleuchten – vor allem, weil angesichts der weltweiten Krisenstimmung Hoffnung und Freude unverzichtbar sind!

WELCHE BEDEUTUNG HAT „THEOS“ IN ENTHUSIASMUS?

Das Wort leitet sich vom griechischen entheos ab, was so viel bedeutet wie „von Gott erfüllt sein“ oder „in Gott sein“. In der Antike schrieb man vor allem Priestern, Sehern und Wahrsagern zu, dass sie von den Göttern erfüllt wären. Ihre Aufgabe bestand ja darin, zwischen der himmlischen und der menschlichen Welt zu vermitteln.
Platon lehrte, dass auch Dichter und Denker diese göttliche Eingebung erfahren. Dadurch erweitert sich der Enthusiasmus, behält jedoch seine sakrale und transzendentale Eigenschaft. Ich kann selbst bestätigen, dass mich philosophische Lektüre und ebensolche Gespräche oft mit Begeisterung erfüllen und „die Seele fliegen lassen“. Unsere philosophischen Schüler erzählen, dass sie diese Erhebung des Bewusstseins erleben und trotz der Kurse zu abendlichen Stunden gestärkt und voller Energie nach Hause gehen. Diese positive Atmosphäre in unserer Philosophieschule bemerken sogar externe Seminarteilnehmer, die unsere Räume tagsüber mieten.

PLATON UNTERSCHEIDET IN SEINEM DIALOG „PHAIDROS“ VIER FORMEN DES ENTHUSIASMUS

  1. Der „apollinische“ Enthusiasmus äußerte sich in Prophezeiungen und Weissagungen. Diese wurden in Delphi von den Pythias, den Seherinnen verkündet.
  2. Dionysos animierte zu Rausch und Ekstase – dies wurde bei Festen, Tänzen erlebt, sein Gefolge stellten die Mänaden dar.
  3. Die neun Musen wiederum inspirierten Künstler, Dichter, Sänger und alle kreativ tätigen Menschen.
  4. Nicht zu vergessen der Enthusiasmus der Liebenden, von Aphrodite und Eros erweckt.
    Sokrates erklärt in Platons Dialog „Ion“ die gemeinschaftsbildende Kraft des Enthusiasmus durch den Herakleiischen Stein – einen Magneten. Dieser zieht nicht nur selbst einen Eisenring an, sondern gibt seine magnetische Kraft auch weiter, wodurch sich viele weitere Ringe anhängen. „Ebenso macht eine Muse zuerst selbst Begeisterte, und an diesen hängt eine ganze Reihe anderer durch sie sich Begeisternder“.
    Enthusiasmus kann ganze Gemeinschaften bewegen – große historische Ereignisse sind ohne Enthusiasmus nicht vorstellbar. Er ist ansteckend und bindet Gemeinschaften zusammen. Und vielleicht das Wichtigste: Er aktiviert den Idealismus.

IDEALISTEN GESUCHT …

… denn auch diese halten die Welt instand. Was ist ein Idealist? Der französische Philosoph Fernand Schwarz definiert ihn als einen Menschen, der sich vorstellen kann, selbst besser zu sein als er jetzt ist und der außerdem eine bessere Welt imaginieren kann. Er ist nicht in den aktuellen Umständen gefangen und er ist nicht „vernünftig“, sondern überzeugt, dass eine sozial gerechte und friedliche Welt möglich ist. Und dass er selbst noch unerforschte Kräfte in sich trägt, denen er Leben geben will. So will er als „lebendige Kraft“ eine neue und bessere Welt gestalten.


Er unterscheidet „Schönwetter-Idealisten“, die unter für sie günstigen Umständen für eine bessere Zukunft arbeiten und „verpflichtete Idealisten“, die mit Ausdauern und Einsatz am jeweiligen Projekt dranbleiben. Ein Beispiel ist diese Zeitschrift, die seit bereits 45 (!) Jahren von Volunteers herausgegeben und finanziert wird.