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Stille Zen

„Stille, die die ganze Weite
in sich hat und an die Ohren weht,
so, als wäre ihre andere Seite
der Gesang, dem keiner widersteht.“

Rainer Maria Rilke

Wann hatten wir zuletzt die Möglichkeit, Stille zu erleben? Ja, richtig, während des sogenannten „Lockdown“, doch selbst hier bin ich mir nicht sicher, dass wir ihre „ganze Weite“ wahrnehmen konnten. Es gab Vogelgesang – viel mehr als zuvor –, Kinderstimmen, die jetzt wieder im Verkehrslärm untergehen, das Brummen und Summen von Insekten am Balkon und selbst der Flügelschlag der Vögel und die Musik des Windes waren hörbar. Wir konnten, wenn wir es wollten, eine neue Welt „er-lauschen“, deren Stimme weniger laut, weniger künstlich und weniger aggressiv an unser Ohr wehte.

Stille, Blatt

Doch dann kehren wir wieder in unsere angebliche Normalität zurück, werden in den Städten überrollt von Verkehrslärm, Baustellengetöse, Unterhaltungsmusik aus Supermärkten und Geschäften, und selbst in Restaurants können wir anscheinend trotz ausreichender Dezibel durch die Unterhaltung der Gäste nicht ohne Hintergrundbeschallung auskommen …

Unsere Welt ist verschmutzt – das ist nun keine Neuigkeit. Und dazu zählt auch Lärm.

Unsere Welt ist laut, zu laut, um in uns hineinzuhören, unsere Seele wahrzunehmen, mit unserem Inneren Kontakt herzustellen, uns selbst und unseren echten Bedürfnissen zuzuhören. Wen wundert es, dass auch die Kunst des Zuhörens verloren gegangen ist: dem menschlichen Gegenüber seine ganze Aufmerksamkeit schenken und einfach zuhören… Wir leben in einer Zeit mit unglaublichen Kommunikationsmöglichkeiten und registrieren gleichzeitig trotzdem einen Kommunikationsverlust. Folgen davon sind Oberflächlichkeit im Umgang miteinander und wachsende soziale Isolation.
Weitere Auswirkungen können Krankheiten sein, Hilfeschreie unseres Mensch-Seins, das aufgrund des „modernen Lebens“ auf der Strecke zu bleiben droht. Schon eine WHO-Studie aus dem Jahr 2011 mit dem Titel „Lärm macht krank“ (orig. „Burden of disease from environmental noise“) stellt fest, dass Lärm, insbesondere der Verkehrslärm, einer der größten Krankheitsauslöser ist.


„Eine hohe Geräuschkulisse erschwert die Konzentration, erzeugt Stress, Gesundheitsprobleme für die Ohren und wirkt zudem schädlich auf das Herz-Kreislauf- und das Hormonsystem. Aus heutiger Perspektive wird deshalb rund jeder dritte Jugendliche im Alter von 50 Jahren ein Hörgerät brauchen“,

sagt Anna Streissler, Bildungsexpertin und Leiterin des Projekts „Lernen ohne Lärm“ im Umweltdachverband.
Beispiele wie diese lassen sich beliebig fortsetzen, helfen uns jedoch im Alltag nicht weiter. Es wäre wichtig und heilsam, wieder mehr Stille in unser Leben zu integrieren und aufmerksam darüber zu wachen, dass wir uns nicht ständig einer Lärmbeschallung aussetzen. Das kann jeder angepasst an seine Lebensumstände selbst bewerkstelligen, und dieses Heilmittel ist außerdem kostengünstig.

Stille, Winter

Die Umsetzung wird für jeden ein wenig anders aussehen: Viele Menschen suchen Hilfe in Kursen, um Yoga oder Meditation zu erlernen, doch auch der einfache Rückzug in den Lesesessel mit einem Buch kann das Wunder der Stille bewirken. Andere finden ihren Zugang im Kontakt mit der Natur, in ihr zu lauschen und wandernd ihre Schönheit genießen – auch das führt zu neuen Dimensionen und Qualitäten der Stille.

Die Beschäftigung mit Schönheit in all ihren Ausdrucksformen hat ganzheitlich heilende Kraft: Egal, ob in Poesie, Literatur, Malerei, Skulpturen, architektonischen Meisterwerken oder mit der Natur selbst.

Überall können wir jener Stille begegnen, die uns Achtsamkeit erfahren lässt und die uns zu unserem Zentrum, zu unserem wahren Selbst bringt.

Wir können und dürfen den Lärm der Welt aussperren! Tatsächlich muss es uns gelingen, wenn wir zu uns finden und in unsere Innenwelt eintreten wollen.

Stille, Meditation

Es ist Zeit, in die Stille zu gehen und gegen den Lärm der Welt anzutreten.
Es ist Zeit, durch die Stille wieder eine Beziehung zur Natur und unserer Umgebung herzustellen.
Es ist Zeit, in der Stille sich wieder mit der Menschheit und der Welt zu verbinden.
Es ist Zeit, durch die Stille wieder Kontakt mit uns selbstaufzunehmen.
Es ist Zeit, in der Stille wieder die Musik des Lebens zu vernehmen.

Stille hält für uns ein unermessliches Geschenk von Harmonie, Stabilität und Ausgewogenheit bereit. Sie ist ein Schlüssel zur Gesundheit und sie kann ein Schlüssel zu uns Selbst und zur Welt werden.

„Wenn es nur einmal so ganz stille wäre,
wenn das Zufällige und Ungefähre
verstummte und das nachbarliche Lachen,
wenn das Geräusch, das meine Sinne machen,
mich nicht so sehr verhinderte am Wachen:
Dann könnte ich in einem tausendfachen
Gedanken bis an deinen Rand dich denken
Und dich besitzen (nur ein Lächeln lang),
um dich an alles Leben zu verschenken
wie einen Dank.“

Rainer Maria Rilke

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