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Glück Meditation

Kennen Sie den glücklichsten Menschen der Welt? Es ist Matthieu Ricard, Molekularbiologe aus Frankreich und buddhistischer Mönch. Er hat zahlreiche Bücher über das Glück geschrieben, das man besonders dann erreicht, wenn man an andere denkt und gütig und wohlwollend ist. Und meditiert. Das hat er 10.000 Stunden getan.

Sein Gehirn wurde von Richard Davidson untersucht, der eine außergewöhnlich starke Aktivität im linken präfrontalen Kortex feststellte. Je stärker dieser Bereich ausgeprägt ist, desto positiver sind die Gefühle des Menschen. Ist die rechte Seite stärker ausgeprägt, verweist dies auf Depressionen.

Richard Davidson hat außerdem herausgefunden, dass unser Glück von unseren neuronalen Netzwerken im Gehirn abhängig ist. Laut seiner Theorie gibt es vier voneinander unabhängige Schaltkreise, die unser Wohlbefinden steuern.

Der erste bezieht sich auf unsere Fähigkeit, positive Zustände
aufrechtzuerhalten:

Je länger wir unsere gute Laune, unsere optimistische und freudige Grundstimmung halten können, desto mehr Glück empfinden wir.

Das scheint logisch. Doch was tun angesichts von Problemen? Der Dalai Lama empfiehlt, dass wir Liebe und Mitgefühl aktivieren. Das heißt, dass wir weniger an uns und mehr an andere denken. Er selbst hatte ein einschneidendes Erlebnis, als er mit großen Schmerzen im Stau
durch eine indische Großstadt chauffiert wurde. Beim Blick aus dem Fenster sah er schwer kranke Menschen hilflos am Straßenrand liegen. Und es wurde ihm bewusst, dass diese keine Hilfe erhielten. Niemand kümmerte sich um sie. Und so schenkte er ihnen sein Mitgefühl und dachte an alle Menschen, die in Einsamkeit und Hilflosigkeit leiden. Er erkannte sein Glück, umsorgt zu sein und in Kürze im Krankenhaus versorgt zu werden. Er berichtete, dass dadurch die Schmerzen leichter zu ertragen waren.

Das zweite Netzwerk definiert unsere Fähigkeit, uns von negativen Zuständen zu erholen. Das scheint jetzt widersprüchlich. Wenn jemand positive Zustände aufrechterhalten kann, wie soll er dann in negative Zustände fallen? Wenn sich jemand z. B. leicht aus der Ruhe bringen lässt oder schnell ungeduldig oder ärgerlich wird, erlebt er eine destruktive Emotion. Oft verharrt man darin und will sie „ausleben“…

Ich möchte Ihnen andere Möglichkeiten vorschlagen, mit Frustrationen umzugehen. Ein paar Beispiele: Der Bus fährt uns vor der Nase davon, der Kollege kommt zu spät und wir müssen unvorbereitet eine Besprechung leiten, der Urlaubsantrag wird nicht genehmigt … Wenn wir im Ärger und in der Enttäuschung stecken bleiben, kann der ganze Tag verhaut sein. Wenn wir jedoch in all diesen Situationen jeweils den Blick auf die Chancen und die Aufmerksamkeit auf die mögliche Lösung richten, können wir den Ärger überwinden. Der nächste Bus kommt in fünf Minuten, durch das kompetente Einspringen bei der Besprechung habe ich beim Chef einen Bonus und er genehmigt meinen Urlaub doch … Wer weiß, wozu etwas gut ist…

Der dritte Schaltkreis ist genauso unabhängig und gleichzeitig eine Grundlage für die anderen. Es handelt sich um die Fähigkeit, uns zu konzentrieren und wirre Gedanken zu vermeiden. Dies können wir durch Meditations- und Achtsamkeitsübungen trainieren, die für ein „glückliches“ Gehirn grundlegend sind: mit dem Geist bei einer Sache zu bleiben und sich nicht ablenken zu lassen. Dabei ist es egal, ob man sich auf den Atem oder ein Mantra konzentriert. Man kann auch die sogenannte „analytische Meditation“ betreiben und sich ganz einem geistigen Thema widmen. Bei der analytischen Meditation fokussiert man ein bestimmtes Thema und betrachtet es von vielen Seiten, um es mental zu durchdringen.

Das vierte und letzte Netz steuert unsere Fähigkeit, großzügig zu sein.

Geben, Teilen und Helfen machen glücklich.

Neueste Forschungen belegen, dass Babys schon im zweiten Lebensjahr einen Sinn für Gerechtigkeit und ein Gespür für Kooperation haben und zu Mitleid und Hilfsbereitschaft fähig sind. Leider wurde jedoch in den letzten
200 Jahren in unserer Gesellschaft das „Wettbewerbsmodell“ gefördert, bei dem immer der Stärkere gewinnt – inspiriert durch die Idee, dass der Mensch in seinem Wesen egoistisch sei. Das ist jedoch widerlegt!

Nicht Konkurrenzkampf und Wettbewerb sind angeboren, sondern das Gegenteil!

Kurz gesagt: Geben ist tatsächlich seliger als Nehmen.

Praktische Tipps:

1. An andere denken

Wenn Sie eine schwierige Situation erleben (körperliche Schmerzen, Schlaflosigkeit, Geldsorgen), dann denken Sie an jene Leute, die es noch viel schwerer haben. Schenken Sie ihnen Ihr Mitgefühl und verbinden Sie sich mit ihnen. Altruismus und Mitgefühl sind Tugenden, die man durch Übung erlangen kann.

2. Chancen erkennen

Wenn Ihnen eine Schwierigkeit begegnet, akzeptieren Sie diese mit Gelassenheit. Verschwenden Sie Ihre Energie nicht an Ärger, sondern richten Sie den Blick auf die mögliche positive Seite der Situation. So
bleiben Sie kreativ und finden die Lösung. Auch das kann man trainieren.

3. Freuen Sie sich

Wenn Sie achtsam in der Gegenwart leben und Ihre Sinne schärfen, entdecken Sie zahlreiche kleine Anlässe zur Freude. Ein schön dekoriertes Schaufenster, der Mond über dem See, ein zauberhaftes Musikstück, die Zärtlichkeit einer Mutter, der Gedanke an einen lieben Menschen oder ein berührendes Erlebnis. So können Sie Ihre positive Grundstimmung aufrecht halten. Auch das gelingt durch die Praxis immer besser.

Viel Freude mit dem Glück!

About The Author

Gudrun Gutdeutsch praktiziert seit 30 Jahren philosophische Lebenskunst. Sie leitet seit 15 Jahren ehrenamtlich den Treffpunkt Philosophie Deutschland. Hier ist sie u.a. als Kurs- & Seminarleiterin und Vortragende tätig - mit den Schwerpunkten Psychologie, Spiritualität und Vergleichende Philosophie und Religionen. Seit über 15 Jahren schreibt sie die Serie "Lebenskunst" für das Magazin "Abenteuer Philosophie" und ist Autorin des Buches "Wie duscht ein Philosoph?" Beruflich wirkt sie als Trainerin und als Fachberatung für Kulturelle Vielfalt.

1 Comment

  1. Ich bin wirklich froh zu sagen, dass es ein interessanter Artikel ist

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