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soul force

Soul Force steht auch in Beziehung zur Versöhnung, und damit zu einem inneren Prozess der Erlösung:

Nur wer sich selbst von seinen negativen Sichtweisen anderen gegenüber lösen kann, kann sich versöhnen und sich auf neue, gemeinsame Ufer hinbewegen. Versöhnung heißt ja auch Frieden schließen, und in diesem Fall einen inneren Frieden, der aus einem selbst kommt und der vom anderen nichts fordert. Dieser Friede ist der Friede des Kriegers, der den Kampf überwunden hat, und der deswegen von seinem Umfeld nicht mehr beeinflusst wird. Satyagraha ist damit auch eine Form der Gelassenheit, die von innen kommt und die den Menschen von Äußerlichkeiten unabhängig macht.

Soul Force ist, wie schon gesagt, überhaupt nicht passiv oder duldend. Im Gegenteil, sie konfrontiert den Gegner und sie erfordert, soll sie glaubhaft sein, die Bereitschaft, notfalls auch das eigene Leben in die Waagschale zu werfen. Denn die wirkliche innere Kraft zeigt sich darin, dass man bereit ist, sich selbst einzusetzen. Gandhi selbst hat das so ausgedrückt:

Wir sind bereit, notfalls auch zu sterben, aber in keinem Fall sind wir bereit, zu töten.

aus dem Film „Gandhi“

Das ist wahres Kriegertum, das den kompromisslosen Einsatz der Tugenden des Kriegers wie Großzügigkeit, Mut,
Intelligenz, Tatkraft, Höflichkeit und vor allem die Fähigkeit zu lieben fordert.

Dazu gibt es eine kleine Geschichte aus der Welt der Samurai:

Ein junger, ausgezeichneter Schwertkämpfer kam einmal in ein Dorf, in dem ein alter, weithin bekannter Meister der Schwertkunst zurückgezogen lebte. Im Überschwang der Jugend und weil er beweisen wollte, dass er der beste Schwertkämpfer von allen sei, forderte er den alten Meister
zum Duell heraus. Der alte Meister weigerte sich, zu kämpfen. Daraufhin beschimpfte ihn der junge Schwertkämpfer als Feigling und Lügner und trieb es so weit, dass der alte Meister einwilligte, mit ihm ein Duell auszufechten. Nachdem sie sich den Ort des Zusammentreffens ausgemacht hatten, ging jeder in seine Behausung, um sich auf den Kampf
vorzubereiten. Als der junge Samurai am vereinbarten Treffpunkt ankam, fand er den alten Meister bereits wartend vor. Er stand ruhig in der Mitte des Kampfplatzes und erwartete seinen Gegner. Der junge Schwertkämpfer stürmte voll Elan auf den Kampflatz – aber je weiter er sich dem alten Meister näherte, desto langsamer wurden seine Schritte, bis
er schließlich mit zitternden Knien stehen blieb. Er sagte zum alten Meister: „Meister, ich muss anerkennen, dass Ihr der wesentlich bessere Schwertkämpfer seid als ich“, obwohl kein einziger Schwertstreich gefallen war. Und dann fragte er ihn: „Meister, warum hatte ich das Gefühl, dass meine Knie weich wurden und ich sogar Angst bekam? Ich war doch bereit, den Kampf zu gewinnen?“ Daraufhin antwortete ihm der alte Meister: „Das mag schon sein, dass Du bereit warst, zu gewinnen, ich hingegen war bereit zu sterben!“

Diese kleine Geschichte zeigt uns, dass die wirkliche Kraft der Seele in der Bereitschaft liegt, sich selbst vollkommen einzusetzen. Der italienische Philosoph, Dichter, Theoretiker und Praktiker des gewaltlosen Widerstandes, Lanza del Vasto, einer der wichtigsten westlichen Schüler Gandhis, sieht die „Gütekraft“ als Prüfstein und beschreibt sie so („Gütekraft“ steht hier für Soul Force):

Woran ist gütekräftiges Verhalten zu erkennen? Vielleicht daran, dass jemand sanft, liebenswürdig, freundlich,
nachsichtig, geduldig, nachgiebig, heiter ist, dass er lächelt und segnet? Nein, das kann auch der Heuchler. Dass jemand ruhig, entspannt, gelöst und gleichmütig ist? So verhält sich auch der Gleichgültige. Dass jemand sich beherrscht und seinen Zorn zu zügeln versteht? Ein höflicher Weltmann tut das ebenfalls. Gütekräftiges Verhalten heißt, alles darauf auszurichten, die Dinge klarzustellen, und auf das Gewissen zu zielen. Erst in einem Konflikt wird die Gütekraft erkennbar, nämlich wenn da, wo es natürlich oder berechtigt erscheinen mag, Gewalt anzuwenden, die Probleme gelöst werden, die sonst mit Gewalt angegangen werden. Wer gütekräftig handelt, versucht im Konflikt nicht, dem Zorn des Gegners auszuweichen, dessen Mitleid zu erregen oder ihn zu überlisten. Die Absicht ist vielmehr, in aller Klarheit Übereinstimmung zu erzielen. Um dieses Ziel zu erreichen, können, je nach der Situation, raue Worte genauso dienlich sein wie sanfte, können heftige Gesten, die verblüffen, sarkastische Äußerungen, die aufrütteln, genauso angebracht sein wie Flüche, die warnen, und im äußersten Fall sogar Schläge. Ja, auch Schläge, vorausgesetzt sie sind so frei von dem Wunsch zu schädigen wie die von einem Chirurgen zum Zweck der Heilung durchgeführte Amputation eines Gliedes.

(nach: Lanza del Vasto: Les quatre Fléaux, Die Macht der Friedfertigen, Übertragung: Martin Arnold)

Mit der Kraft der Seele zu handeln erfordert also Mut, Intelligenz und ein gutes Gespür für die Situation, um die richtigen Maßnahmen treffen zu können, denen eines gemeinsam ist: die Abwesenheit von Gewalt.


Ich bin der Überzeugung, dass ein großer Schlüssel zur Lösung vieler, auch globaler Krisen in der Bereitschaft zur Versöhnung liegt. Wer mit sich in Frieden leben kann, der kann auch dem anderen die Hand zum Frieden reichen. Wie der kubanische Dichter Juan Guiterrez sagte: „Der Frieden wartet nicht auf die Gewalt.“ Er ist immer da, jeder von uns kann ihn in sich entdecken und diese Kraft dann dazu einsetzen, die Welt ein wenig besser zu machen. Dann hat er
nicht umsonst gelebt…

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