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Arbeit

Arbeit durchdringt das gesamte Sein des Menschen und verändert gleichzeitig auch unsere Welt. Sagt Hannah Arendt. Und sie hat recht. Doch was ist, wenn Arbeit nicht Teil des Lebens, sondern das Leben ein Teil der Arbeit wird …

Arbeit besiegt alles – wie wir unser (Arbeits-)Glück schmieden

Der Beruf war mein Hobby!“ Dies sagt mein 90-jähriger Vater mit dem Brustton tiefster Überzeugung jedem, der es hören will. Doch wer kann das schon von sich behaupten? Studien sagen, dass heute etwa 90 Prozent der Menschen mit ihrem „Job“ unzufrieden sind. Wir sprechen von Burn-out, von Workaholics, von Mobbing am Arbeitsplatz.

Für allen Frust und jede Unzufriedenheit – müssen wir uns aber selbst eingestehen – ist nicht nur das WAS entscheidend, sondern vor allem auch das WIE – insbesondere das innere Wie, also unsere eigene Haltung und Erwartung.

Beginnen wir mit dem ganz Einfachen: Definieren wir einmal den Begriff Arbeit! Versuchen Sie es! … Und erst dann lesen Sie bitte weiter. Gleich vorne weg: Das deutsche Wort Arbeit kommt vom althochdeutschen arabeit, was Mühsal und Plage heißt.

Arbeit in der Antike – oder die innere Arbeit

Über die „normale“ Arbeit schreiben die antiken Autoren Griechenlands und Roms nicht wirklich viel. Sie stellt offenbar kein Problem dar. Handwerk und Landwirtschaft werden positiv bewertet. Faulheit ist eine Schande. Die Krönung der Arbeit liegt

  • im politisch-philosophischen Diskurs,
  • in der bewussten schöpferischen Auseinandersetzung und
  • in der Muße für geistige Kreativität (Muße ist Arbeit!).

Höchstes Ziel ist das Erkennen der Ideen.

Die Bestimmung des Menschen erfüllt ein tugendhaftes, kreatives und freies glückseliges Handeln. Unfreies Handeln aus Zwang um des reinen Überlebens willen gilt als sklavische Tätigkeit, besonders wenn sie körperlich anstrengend ist.

Auch das Streben nach Reichtum verfehlt das höchste Gut. Die Grenzlinie zwischen freier und würdiger Arbeit und der unfreien, unwürdigen ziehen die alten Griechen und Römer durch innere Kriterien. Wer unter Zwang arbeitet – und sei es auch der Hunger nach Reichtum oder Ehrgeiz, der gilt als Sklave. Wer sich jedoch stark und autark der Ehre und einem edlen Nutzen verschreibt, der arbeitet frei und würdig. „Labor omnia vincit“ war das Arbeitsmotto der Römer.

Labor omnia vincit. – Mit Arbeit lässt sich alles überwinden.

Aber damit ist nicht nur physische Arbeit gemeint, sondern (auch) das Schmieden des eigenen Charakters.

Mittelalter und christentum – oder die religiöse Arbeit

In dieser Zeit entsteht ein sehr ambivalentes Verhältnis zur Arbeit. Auf der einen Seite ist sie göttlicher Auftrag – die Fortführung des Schöpfungsprozesses.

Machet Euch die Erde untertan!

Sie ist allerdings auch die Strafe für den Sündenfall und daher ein Fluch, insbesondere die mit der Arbeit verbundene Anstrengung, Mühe und Last.

In der Hochscholastik wird die geistig-spirituelle Arbeit (vita contemplativa) der physischen, anstrengenden Arbeit vorgezogen.

In der Reformation wird die manuelle Arbeit dann wieder ins Positive gekehrt. Luther schimpft die vita contemplativa als egoistischen Müßiggang, die sogar die Pflicht zur Arbeit verletzt. Denn Letztere ist Auftrag Gottes und wird zur Berufung. Sie ist sittlich-religiöse Pflichterfüllung.

Aufklärung und Nationalökonomie – oder die wirtschaftliche Arbeit

Die Arbeit wird nun säkularisiert, verweltlicht. Die Selbsterhaltung rückt in den Vordergrund. Der menschliche Verstand und seine rationale Wissenschaft werden zur Krönung menschlicher Tätigkeit. Es geht um Leistung und Erfolg, Erfindungen und Entdeckungen. Die Arbeit
wird zum Vater des Reichtums, die Erde ist seine Mutter.

Die Arbeit ist der Faktor, der den Dingen erst den wahren Wert verleiht. Hier beginnt auch die Trennung zwischen produktiver und unproduktiver Arbeit. Die Dampfmaschine, die Spinnmaschine, der Webstuhl und das englische Wirtschaftsdenken brechen über die Menschheit herein. Schichtarbeit und Arbeitsteilung werden eingeführt und zugleich taucht auch die Arbeitslosigkeit auf.

Die Arbeit selbst wird zur Ware – ein Ergebnis von Angebot und Nachfrage.

Sie ist eines der drei ökonomischen Produktionsfaktoren: Boden, Kapital und Arbeit. Nicht nur die Menschen, sondern auch die Nationen wollen reich werden und die Menschen schulden (ihnen) Pflichtbewusstsein, Gehorsam, Rechtschaffenheit und Fleiß. Eigennutz schädigt die Gemeinschaft.

Kritik und Mahnung im 19. Jahrhundert – Rückkehr zu ethischen Aspekten

Reichtum darf nicht allein des Reichtums wegen erstrebt werden.

Das tun vor allem die „Ungebildeten“, die die Freude und Ehre der Arbeit nicht schätzen.

Der Ökonomie darf nicht alles andere untergeordnet werden.

Geistige, gesellschaftliche, ethische und kulturelle Werte müssen bewahrt und als gleichwertig geachtet werden. Die Arbeitsteilung ist zwar Bedingung für das effektive Wirtschaften geworden, allerdings darf die damit verbundene Verkümmerung und Vereinseitigung des Arbeiters nicht übersehen werden. „Wenn der menschliche Verlust … größer ist, als der dadurch erkaufte Gewinn“, muss die Arbeitsteilung wieder zurückgefahren werden. Arbeit ist ein Weg zu Selbstständigkeit, Freiheit und Würde des Menschen.

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