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Handeln-Act now

Im fünften der zehn Bücher der Nikomachischen Ethik widmet sich Aristoteles der Gerechtigkeit, die für ihn eine Kardinaltugend darstellt:

Unter Gerechtigkeit wird allgemein die Grundhaltung verstanden, von der die Menschen die Fähigkeit zu gerechten Handlungen beziehen und aus der heraus sie gerecht handeln und das Gerechte wollen.

Gerechtes Handeln ist für Aristoteles „das Mittlere zwischen dem Unrecht tun und dem Unrecht erleiden“. Die Freiwilligkeit der gerechten bzw. ungerechten Handlung ist ausschlaggebend dafür, ob jemand gerecht oder ungerecht agiert.

Ohne Tugend ist es nicht leicht, das Glück gelassen zu ertragen.

Aristoteles

Gesetze sollen allen zum Vorteil gereichen

Als ungerecht gilt, wer die Gesetze missachtet, sich gegen die gleichmäßige Verteilung der Güter und gegen die bürgerliche Gleichheit wendet. Der Gerechte befolgt die Gesetze und fördert die Gleichheit der Menschen.

Die Gesetze treffen Bestimmungen über den gesamten Lebensbereich: Ihr Ziel ist der Vorteil für das Volk. Gerechtigkeit ist somit eine vollkommene Tugend in Bezug auf die Mitbürger. Sie verwirklicht, was anderen nützlich ist.

Neben dieser allgemeinen Gerechtigkeit gibt es auch eine partikuläre, die zwei Arten definiert: die ausgleichende Gerechtigkeit und die austeilende Gerechtigkeit. Erstere sorgt dafür, dass die Güter und Ehren unter den Mitgliedern des Staates richtig verteilt werden, letztere dafür, dass vertragliche Beziehungen untereinander rechtens sind. Dieses Ausgleichen unter den Menschen kann teils freiwillig (Kauf, Tausch, Miete), teils unfreiwillig (Diebstahl, Raub, Mord) sein.

Das Ungerechte verletzt die Gleichheit, das Gerechte bedeutet Gleichheit. Es geht hier auch um Proportionen, denn: In der Ungerechtigkeit wird ein Glied einer Proportion extrem vergrößert oder verkleinert.

Zwischen Gewinn und Verlust steht das Gleiche. Die Aufgabe des Richters im Prozess besteht somit darin, das Gleiche wiederherzustellen.

Sobald es zu einem Austausch von Dingen kommt, sind entsprechende Partner auszuwählen. Das Ausgetauschte muss vergleichbar sein, deshalb gibt es das Geld und die Preise. Ohne Austausch gibt es keine Gemeinschaft, ohne Gleichheit keinen Austausch, ohne Messbarkeit keine Gleichheit.

Die Gerechtigkeit setzt, wie vorher erwähnt, einen Mittelwert fest, während die Ungerechtigkeit auf die Extreme gerichtet ist. Die unrechte Tat hat zwei Folgen: Wo ein Zuwenig ist, haben wir ein Unrecht-Erleiden, wo ein Zuviel ist, ein Unrecht-Tun.

Die Gerechtigkeit sollte also eine Grundhaltung sein: Man tut das Gerechte und will es auch.

Wo immer Menschen zusammenwohnen, gibt es Recht und ebenso Ungerechtigkeit. Gesetze werden ins Leben gerufen, weil Ungerechtigkeit möglich ist. Daher ist nicht ein Mensch, sondern das geschriebene Gesetz die oberste Prämisse.

In Bezug auf die Ungerechtigkeit muss zwischen dem Unrecht als vollbrachte Tat und dem Unrecht als Normbegriff unterschieden werden. Ebenso zwischen dem Akt der Gerechtigkeit und dem Normbegriff des Rechtes. Handlungen sind dann gerecht oder ungerecht, wenn man freiwillig handelt. Freiwillig ist eine Handlung dann, wenn sie in unserer Macht steht und vollkommen bewusst ausgeführt wird. Ohne volles Bewusstsein geschehen Irrtümer. Affekthandlungen gelten beispielsweise nicht als bewusste Handlungen. Das Erleiden von Unrecht kann niemals ein freiwilliger Akt sein – im Gegensatz zum Unrecht-Tun.

Zur Gerechtigkeit gehört auch Billigkeit, nämlich die Güte in der Gerechtigkeit. Das Gesetz ist derart allgemein, dass es nicht alle Fälle erfassen kann. Wo eine Gesetzeslücke auftritt, gilt es, diese im Geiste des Gesetzgebers zu schließen. Daher ist Güte mehr als die Berichtigung eines lückenhaften Gesetzes.

Wie steht es um die Gerechtigkeit heute?

Gerechtigkeit

Wie haben sich nun die Definitionen von Aristoteles zur Gerechtigkeit auf unsere aktuelle gesellschaftliche Situation im 21. Jahrhundert ausgewirkt?

Es gibt Hunger und unsägliche Armut in vielen Ländern der Welt. Jährlich sterben Millionen von Menschen – vor allem Kinder – an Unterernährung, während gleichzeitig in anderen Ländern die Menschen im Übermaß leben und Nahrungsmittel wegwerfen und vernichten.

Die Gesundheitsversorgung von Menschen hängt davon ab, in welchem Land der Welt man geboren wurde.

Wer hat heute Zugang zu einem modernen Bildungssystem, um durch Bildung einen Weg aus der Armut zu finden?

Die Globalisierung regelt die Maßnahmen in sämtlichen Wirtschaftszweigen. Wo aber bleibt die Globalisierung der Gerechtigkeit? Aristoteles hat einen Weg vorgegeben, wie das Zusammenleben der Menschen gerecht funktionieren kann.

In allen Ländern der Welt gibt es Gesetze: Woran scheitert dann die Gerechtigkeit? Es scheint, dass auch heute noch die „gerechte Handlung“ – wie von Aristoteles beschrieben – meist nicht richtig angewandt wird. Die Gerechtigkeit ist die Mitte zwischen Unrecht-Tun und Unrecht-Erleiden, während die Ungerechtigkeit auf die Extreme gerichtet ist.

Die Lösung liegt ausschließlich im gerechten Handeln jedes Individuums.

Und mehr noch: Aristoteles ist überzeugt, dass wir nur dann wahrhaftes Glück finden werden, wenn wir nach dem Besten in uns handeln. Das Beste in uns – die Tugend ist das, was uns zum Menschen und daher authentisch macht. So werden wir alle erst in einer gerechteren Welt wirklich glücklich sein können.

Ohne zu handeln, dürfte wohl keiner ja tugendhaft werden. Wie einer handelt, so wird er selbst.

Aristoteles

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