Kunst erleben und verstehen lernen

Kunst erleben und verstehen lernen

ANTIKE

Hier bietet sich der spannende Vergleich zwischen Griechenland und Rom an. Trotz aller Ähnlichkeiten zeichnet sich die griechische Kunst durch Idealismus, Proportion und ästhetische Perfektion aus. Während die römische Kunst eine Betonung auf Realismus, Individualität sowie die praktische und durchaus auch die propagandistische Funktion legt. Als Musterbeispiel griechischer Perfektion gilt der Diskobolus des Myron (um 450 v. Chr.), der nur als römische Kopie überliefert ist, also schon in der Antike vielfach kopiert wurde.

Als Vergleichsbeispiel römischer Kunst kann das Porträt des römischen Staatsmanns und Generals Pompeius angeführt werden. Es ist eine veristische, somit schonungslos realistische Darstellung von physischer Erscheinung und Charakter.

MITTELALTER

Das Mittelalter ist von den beiden großen Epochen Romanik (1000 – 1200) und Gotik (1200 – 1400) dominiert. Der Begriff Romanik wurde erst im 19. Jahrhundert geprägt und beschreibt eine Kunst und Architektur, die an die römische Tradition anknüpft. Romanische Kirchen basieren auf der römischen Basilika. Die Gotik dagegen kann man wohl als erste eigenständige Kunstepoche nach der Antike bezeichnen in Verbindung mit der architektonischen Innovation des Kreuzrippengewölbes mit tragenden Rippen. Und in Verbindung mit einem geistigen, politischen und wirtschaftlichen Aufbruch.
Der Renaissancekünstler Giorgio Vasari (1511 – 1574) bezeichnete die mittelalterliche Kunst als „gotisch“, womit er sie in Anlehnung an die barbarischen Goten als unkultiviert abwertete. Erst ab dem 18. Jahrhundert kam es zu einer positiven Neubewertung der gotischen Kunst.

Stellt man Romanik und Gotik einander gegenüber, ergeben sich Begriffsgegensätze wie Solidität versus Vertikalität, Schwere versus Leichtigkeit, Dunkelheit versus Helligkeit oder auch Geschlossenheit versus Offenheit.

RENAISSANCE

Was für ein Werk ist der Mensch! Wie edel in der Vernunft! Wie unendlich in seinen Fähigkeiten! In Form und Bewegung, wie ausdrucksvoll und bewundernswert, in Handlung, wie einem Engel gleich, in Erkenntnis, wie einem Gott!

In diesem Zitat aus Shakespeares Hamlet erhebt sich der Renaissance-Mensch aus dem von Gott und Religion geprägten Mittelalter. „Die Künste kehren in einem neuen Goldenen Zeitalter zur Perfektion zurück, nachdem sie so lange im Dunkel der Unwissenheit verborgen waren“, jubelt Vasari. Renaissance ist also die sprichwörtliche Wiedergeburt: von Wissenschaft, Kunst, Kultur, Bildung, politischer Mündigkeit und Humanismus. Welches Werk drückt den Geist der Renaissance besser aus als der „Frühling“ von Sandro Botticelli? Es zeigt die vom Schicksal auf die Erde geworfene menschliche Seele, die zur Reife erblüht und schließlich ihren Blick auf Hermes, den Repräsentanten der göttlichen Weisheit, richtet.

BAROCK

Die Ausgewogenheit, Klarheit und Rationalität der Renaissance werden von der Dynamik, Dramatik und Emotionalität des Barocks abgelöst. Dies widerspiegeln einerseits die Wirrnisse und Konflikte der Gegenreformation und andererseits Macht und Prunk der Höfe mit ihren Monarchen. Die künstlerischen Kompositionen sind voll von Bewegung und Spannung, sie wollen emotional auf- und berühren und auch spirituell bewegen.
Die barocke Architektur ist bekannt für ihre opulente Dekoration, ihre geschwungenen Linien und dramatischen Effekte, die Literatur besingt Prunk und Vergänglichkeit. Ein Vergleich macht sicher: Das Bildmotiv der Kreuzabnahme Jesu, einmal vom Renaissancekünstler van der Weyden gegenübergestellt dem Barockmeister Peter Paul Rubens.